Am Freitag, dem 18. Juli 1980, erscheint mit „Closer“ das zweite Album von Joy Division – genau zwei Monate nach dem Tod ihres Sängers Ian Curtis. Während die britische Band auf der Platte in eine karge und zunehmend elektronische Klangwelt vordringt, erreicht Indien einen technischen Meilenstein: Eine selbst entwickelte Rakete bringt den Forschungssatelliten Rohini RS-1 in die Erdumlaufbahn. In den amerikanischen Kinos verarbeitet Regisseur Samuel Fuller seine eigenen Kriegserfahrungen in „The Big Red One“. Die britischen Charts zeigen unterdessen einen bemerkenswerten Sprung für Dexys Midnight Runners.
Die Geschichte des Tages: Joy Division veröffentlicht „Closer“ ohne Ian Curtis
Heute erscheint in Großbritannien „Closer“, das zweite Studioalbum von Joy Division. Die Veröffentlichung erfolgt unter Umständen, die kaum von der Musik zu trennen sind. Sänger Ian Curtis nahm sich am 18. Mai das Leben, wenige Tage bevor die Band zu ihrer ersten Tournee durch die Vereinigten Staaten aufbrechen wollte. Das Album kommt nun genau zwei Monate nach seinem Tod heraus.
Aufgenommen wurde „Closer“ vom 18. bis 30. März in den Britannia Row Studios in London. Das Studio war ursprünglich von Pink Floyd eingerichtet worden. Produzent Martin Hannett nutzt die technischen Möglichkeiten des Hauses, um die Instrumente nicht wie eine unmittelbar zusammenspielende Rockband klingen zu lassen. Schlagzeug, Bass, Gitarre, Stimme und elektronische Klänge erscheinen vielmehr wie einzelne Elemente in einem großen, beinahe leeren Raum.
Stephen Morris spielt ein präzises, häufig streng wiederholtes Schlagzeug. Peter Hooks Bass übernimmt auffallend oft die Melodie, während Bernard Sumners Gitarre sparsam eingesetzt wird. Synthesizer und elektronische Effekte erhalten wesentlich mehr Platz als auf dem ersten Album „Unknown Pleasures“.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung in „Isolation“. Das Stück verbindet einen maschinenartigen Rhythmus mit einer vergleichsweise hellen Synthesizerfigur. Ian Curtis singt jedoch über Einsamkeit und Abgrenzung. Musik und Text scheinen in unterschiedliche Richtungen zu weisen. Andere Stücke wie „The Eternal“ und „Decades“ verzichten beinahe vollständig auf die Energie eines gewöhnlichen Rockliedes und entwickeln sich langsam aus wiederholten Figuren.
Auch die Hülle wirkt ungewöhnlich. Sie zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Grabmals der Familie Appiani auf dem Monumentalfriedhof von Staglieno in Genua. Das Bild war bereits vor Curtis’ Tod ausgewählt worden. Dennoch lässt sich seine Wirkung nun kaum noch unabhängig von den Ereignissen des Mai betrachten.
„Closer“ ist damit keine nachträglich zusammengestellte Gedenkplatte. Sämtliche Aufnahmen waren bereits abgeschlossen. Die Veröffentlichung zeigt vielmehr den letzten Entwicklungsstand einer Band, die sich hörbar von ihren frühen Punkwurzeln entfernt hatte. Eine Fortsetzung mit Ian Curtis wird es nicht geben.
Musik, Songs und Künstler
Martin Hannett zerlegt den Klang von Joy Division
Produzent Martin Hannett behandelt das Aufnahmestudio bei „Closer“ nicht bloß als Raum, in dem eine Band möglichst wirklichkeitsgetreu festgehalten wird. Er setzt Hall, Verzögerungen, elektronische Bearbeitungen und ungewöhnliche Abstände zwischen den Instrumenten ein, um einen eigenen Klangraum zu schaffen.
Besonders das Schlagzeug wird nicht als durchgehender Block aufgenommen. Einzelne Trommeln und Becken wirken voneinander getrennt. Dadurch entstehen Pausen und freie Flächen, die ebenso wichtig werden wie die gespielten Töne.
Der Ansatz verlangt den Musikern eine andere Arbeitsweise ab als ein Liveauftritt. Einzelne Spuren können getrennt aufgenommen, verändert und neu zusammengesetzt werden. Das Ergebnis wirkt kontrolliert und kühl, behält jedoch die Spannung des Zusammenspiels von Stephen Morris, Peter Hook und Bernard Sumner.
Film und Fernsehen
Samuel Fuller bringt „The Big Red One“ ins Kino
In den Vereinigten Staaten startet heute „The Big Red One“, ein Kriegsfilm von Samuel Fuller. Lee Marvin spielt einen erfahrenen Feldwebel, der eine kleine Gruppe amerikanischer Soldaten durch verschiedene Schauplätze des Zweiten Weltkriegs führt. Zu den jungen Soldaten gehört Griff, dargestellt von Mark Hamill.
Der Titel bezeichnet die 1. Infanteriedivision der amerikanischen Armee. Ihr Abzeichen besteht aus einer großen roten Eins, weshalb der Verband den Beinamen „The Big Red One“ trägt. Fuller kennt die Einheit aus eigener Erfahrung. Er diente während des Zweiten Weltkriegs in der Division und verarbeitet in seinem Drehbuch Erlebnisse aus Nordafrika, Sizilien, Frankreich, Belgien und der Tschechoslowakei.
Der Film erzählt den Krieg nicht aus der Sicht von Generälen oder politischen Entscheidungsträgern. Im Mittelpunkt stehen einfache Soldaten, die von einem Einsatz zum nächsten gelangen. Der Feldwebel spricht wenig über Heldentum. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, die unerfahrenen Männer möglichst lange am Leben zu halten.
Fuller verbindet große historische Ereignisse mit kleinen, manchmal beinahe beiläufigen Beobachtungen. Die Soldaten erleben Landungen, Gefechte und den Vormarsch durch Europa, bleiben aber Teil einer begrenzten Gruppe, deren Mitglieder austauschbar erscheinen. Fällt einer von ihnen aus, tritt häufig schon bald ein Ersatzmann an seine Stelle.
Mit einer Laufzeit von 113 Minuten kommt heute eine deutlich gekürzte Fassung in die Kinos. Trotzdem bleibt Fullers persönlicher Blick auf den Krieg erkennbar: nüchtern, direkt und ohne die Vorstellung, dass eine einzelne mutige Tat das gesamte Geschehen verändern könnte.
Technik, Spiele, Mode und Alltag
Indiens SLV-3 bringt Rohini RS-1 in die Umlaufbahn
Vom Raumfahrtzentrum Sriharikota an der indischen Ostküste startet heute die Rakete SLV-3. Sie bringt den Forschungssatelliten Rohini RS-1 erfolgreich in eine Erdumlaufbahn. Damit gelingt Indien erstmals der Start eines Satelliten mit einer im eigenen Land entwickelten Trägerrakete.
Die SLV-3 ist 22 Meter hoch, wiegt rund 17 Tonnen und besteht aus vier Stufen. Alle Stufen verwenden festen Treibstoff. Während des Fluges werden sie nacheinander gezündet und anschließend abgetrennt. Jede Stufe beschleunigt die verbleibende Rakete weiter, bis die notwendige Geschwindigkeit für eine Umlaufbahn erreicht ist.
Der Satellit Rohini RS-1 wiegt lediglich 35 Kilogramm. Er ist spinstabilisiert, dreht sich also während des Fluges um die eigene Achse. Diese Drehung hilft dabei, seine Ausrichtung zu stabilisieren. An Bord befinden sich unter anderem ein digitaler Sonnensensor, ein Magnetometer zur Messung von Magnetfeldern und Temperatursensoren.
Die Umlaufbahn verläuft in einer Höhe zwischen rund 305 und 919 Kilometern. Rohini übermittelt während des Aufstiegs Messwerte über die vierte Raketenstufe an die Bodenstationen.
Der Erfolg ist besonders wichtig, weil ein erster Startversuch im August 1979 fehlgeschlagen war. Damals erreichte die Nutzlast nicht die vorgesehene Umlaufbahn. Heute funktioniert die vollständige Startfolge. Indien gehört damit zu den wenigen Staaten, die einen Satelliten mit einer selbst entwickelten Rakete in den Weltraum bringen können.
Die Charts
Dexys Midnight Runners springen mit „There There My Dear“
Dexys Midnight Runners gelingt in den britischen Singlecharts mit „There There My Dear“ ein deutlicher Aufstieg. Der Titel verbessert sich in seiner zweiten Chartwoche von Platz 45 auf Platz 20.
Die Band aus Birmingham verbindet schnellen Soul mit Bläsern, Orgel, Bass und einem eindringlichen Gesang. Sänger Kevin Rowland trägt den Text nicht glatt oder zurückhaltend vor, sondern beinahe wie eine öffentliche Auseinandersetzung. Die Aufnahme wirkt dadurch zugleich tanzbar und angespannt.
„There There My Dear“ folgt auf den Erfolg von „Geno“, der vorherigen Single der Gruppe. Statt den Klang dieses Titels lediglich zu wiederholen, setzt das neue Stück stärker auf einen vorwärtsdrängenden Rhythmus und kurze Antworten der Bläser.
Der Sprung um 25 Plätze ist die auffälligste noch nicht verwendete Bewegung der aktuell gültigen britischen Chartausgabe.
Die Nummer-eins-Titel
Deutsche Singlecharts: „Funkytown“ von Lipps, Inc.
Deutsche Albumcharts: Keine ausreichend zuverlässig belegte Angabe.
Britische Singlecharts: „Xanadu“ von Olivia Newton-John und Electric Light Orchestra.
Britische Albumcharts: „The Game“ von Queen.
Billboard Hot 100: „It’s Still Rock and Roll to Me“ von Billy Joel.
Amerikanische Albumcharts: „Glass Houses“ von Billy Joel.
Weltgeschehen in Kürze
Washington: In den Vereinigten Staaten wird heute erstmals der nationale Gedenktag für vermisste und in Gefangenschaft geratene Soldaten begangen. Der „National P.O.W.–M.I.A. Recognition Day“ soll an Angehörige der Streitkräfte erinnern, deren Schicksal nach Kriegen und militärischen Einsätzen ungeklärt geblieben ist.
Geburtstage
Der südafrikanische Bürgerrechtler Nelson Mandela wird heute 62 Jahre alt.
Der amerikanische Astronaut und Politiker John Glenn feiert seinen 59. Geburtstag.
Der amerikanische Sänger Dion DiMucci wird 41 Jahre alt.
Die amerikanische Soulsängerin Martha Reeves feiert ihren 39. Geburtstag.
Der amerikanische Schauspieler James Brolin wird 40 Jahre alt.
Quellenverzeichnis
Redaktionsarchiv
„Heute in den 80ern“. Finaler Prompt 4.0 mit Redaktionsarchiv und Wiederholungsschutz, Einträge vom 19. bis 27. Juli 1980.
Geschichte des Tages und Musik
Joy Division: „Discography – Closer“. Offizielles Bandarchiv.
Joy Division: „About“. Offizielle Bandgeschichte.
Rhino Records: „July 1980: Joy Division Release Closer“, 18. Juli 2022.
Official Charts Company: „Closer – Joy Division“. Britische Albumchartdaten.
Film und Fernsehen
American Film Institute: „The Big Red One“. AFI Catalog of Feature Films, Kinostart vom 18. Juli 1980.
United Artists: „The Big Red One“. Amerikanische Kinoveröffentlichung vom 18. Juli 1980.
Technik, Spiele, Mode und Alltag
Indian Space Research Organisation: „Rohini Satellite RS-1“. Offizielles Missionsarchiv.
Indian Space Research Organisation: „SLV-3E2“. Offizielle Missionsbeschreibung.
Indian Space Research Organisation: „Satellite Launch Vehicle-3“. Historische Übersicht des indischen Trägerraketenprogramms.
Charts
Official Charts Company: Britische Singlecharts, Ausgabe vom 13. bis 19. Juli 1980.
Official Charts Company: Britische Albumcharts, Ausgabe vom 13. bis 19. Juli 1980.
Billboard: „Hot 100“. Ausgabe vom 19. Juli 1980.
Billboard: „Top LPs & Tape“. Ausgabe vom 19. Juli 1980.
Weltgeschehen
United States Congress: „S.J.Res. 168 – National P.O.W.–M.I.A. Recognition Day“. 96. Kongress, 1980.