UB40: Reggae aus Birmingham für die Welt

Als UB40 Ende der Siebzigerjahre in Birmingham zusammenfanden, passten sie zunächst kaum in das Bild einer zukünftigen internationalen Erfolgsband. Viele Mitglieder waren arbeitslos, professionelle musikalische Erfahrung war kaum vorhanden, und selbst der Bandname erinnerte eher an das britische Sozialamt als an Popkarriere. Doch aus dieser ungewöhnlichen Ausgangslage entstand eine der erfolgreichsten britischen Reggae-Bands überhaupt. In den Achtzigerjahren machten UB40 jamaikanisch geprägte Rhythmen zu einem festen Bestandteil der europäischen Popcharts und schufen mit Liedern wie „Red Red Wine“ einen Sound, der weltweit wiedererkennbar wurde.

Woher kommt der Name UB40?

Die Band wurde 1978 in Birmingham gegründet. Zu ihrer frühen Besetzung gehörten unter anderem die Brüder Ali und Robin Campbell, Brian Travers, Earl Falconer, Jimmy Brown und später weitere Musiker wie Astro, Norman Hassan und Mickey Virtue. Der Name UB40 bezog sich auf ein Formular, das damals in Großbritannien mit Arbeitslosenunterstützung verbunden war. Die Wahl passte zur Lebenswirklichkeit mehrerer Bandmitglieder und spiegelte zugleich das soziale Umfeld wider, aus dem die Gruppe hervorging.

Musikalisch orientierten sich UB40 stark an Reggae und Dub. Birmingham war eine multikulturell geprägte Industriestadt mit einer großen karibischen Gemeinschaft, und jamaikanische Musik gehörte dort längst zum Alltag. Gleichzeitig befand sich Großbritannien in einer Phase wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Spannungen. Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und politische Konflikte flossen deshalb auch in die frühen Texte der Band ein.

1980 erschien das Debütalbum „Signing Off“. Bereits der Titel spielte auf das Ende der Arbeitslosigkeit der Musiker an. Songs wie „Food for Thought“ machten UB40 schnell bekannt. Noch war der Klang kantiger und politischer als jener Pop-Reggae, mit dem die Gruppe wenige Jahre später internationale Erfolge feiern sollte.

Warum wurde „Red Red Wine“ zum Welthit?

Der entscheidende Schritt zum Massenpublikum gelang 1983 mit dem Album „Labour of Love“. Darauf spielten UB40 keine eigenen Stücke, sondern Reggae-Versionen von Liedern, die sie selbst musikalisch geprägt hatten. Einer dieser Titel war „Red Red Wine“, ursprünglich von Neil Diamond geschrieben und bereits zuvor von Reggae-Musikern interpretiert worden.

Die Version von UB40 wurde in Großbritannien ein Nummer-eins-Hit. Charakteristisch waren der entspannte Rhythmus, Ali Campbells helle Stimme und eine Produktion, die Reggae so zugänglich machte, dass der Song weit über das traditionelle Publikum des Genres hinaus Erfolg hatte. In den USA dauerte der Durchbruch länger. Dort entwickelte sich „Red Red Wine“ nach erneuter Aufmerksamkeit im Radio schließlich 1988 ebenfalls zu einem Nummer-eins-Hit.

Der Erfolg brachte UB40 allerdings auch Kritik ein. Während viele Hörer die Band als Vermittler jamaikanischer Musik schätzten, warfen andere ihr vor, Reggae für den Popmarkt zu glätten. Gerade darin lag jedoch ein wesentlicher Teil ihres Erfolgs: UB40 verbanden ihre musikalischen Einflüsse mit Melodien und Arrangements, die im internationalen Radio funktionierten.

Welche Hits hatten UB40 in den Achtzigern?

Nach „Labour of Love“ blieb die Band regelmäßig in den Charts. 1985 nahmen UB40 gemeinsam mit Chrissie Hynde von den Pretenders eine Version des Sonny-and-Cher-Klassikers „I Got You Babe“ auf. Auch dieser Song erreichte in Großbritannien Platz eins. Weitere Titel wie „Rat in Mi Kitchen“ und gegen Ende des Jahrzehnts „Kingston Town“ festigten den Ruf der Gruppe.

Damit hatten sich UB40 weit von ihren bescheidenen Anfängen entfernt. Aus einer Gruppe arbeitsloser Freunde aus Birmingham war eine international erfolgreiche Band geworden, die Reggae in einer Form präsentierte, die Millionen Menschen erreichte.

Gerade die Achtzigerjahre zeigen dabei beide Seiten von UB40. Die Band begann mit sozialkritischem, britisch geprägtem Reggae und entwickelte daraus einen zunehmend melodischen Popstil. Puristen mochten diese Entwicklung skeptisch sehen, doch ihre Wirkung ist kaum zu bestreiten. UB40 gehörten zu jenen Gruppen, durch die Reggae außerhalb Jamaikas und der bereits bestehenden Reggae-Szene noch stärker im Mainstream ankam. „Red Red Wine“ wurde zum Sinnbild dieser Entwicklung und zu einem der Stücke, die bis heute unmittelbar mit dem Klang der Achtziger verbunden werden.

Nachrichten
29. August 1980 – UB40 veröffentlichen „Signing Off“, „Stau“ startet im Kino, „Der Alte“ zeigt „Der Detektive“ und kubanische Flüchtlinge stürmen Braniff-Flug 920

Quellen
▪︎ Encyclopaedia Britannica: „UB40“
▪︎ Official Charts Company: „UB40 – Official Chart History“
▪︎ AllMusic: „UB40 – Biography“