Als Jimmy Carter im Januar 1977 ins Weiße Haus einzog, verkörperte er für viele Amerikaner einen politischen Neuanfang. Der ehemalige Erdnussfarmer, Marineoffizier und Gouverneur von Georgia hatte sich im Wahlkampf bewusst als Außenseiter präsentiert. Nach dem Vietnamkrieg und der Watergate-Affäre versprach er eine Regierung, die stärker von Ehrlichkeit und Menschenrechten geprägt sein sollte. Vier Jahre später verließ Carter das Amt nach einer deutlichen Wahlniederlage. Seine Präsidentschaft galt lange als wenig erfolgreich, während sein Wirken nach dem Weißen Haus sein öffentliches Bild noch einmal grundlegend veränderte.
Wer war Jimmy Carter vor seiner Präsidentschaft?
James Earl Carter Jr. wurde am 1. Oktober 1924 in Plains im US-Bundesstaat Georgia geboren. Nach seinem Abschluss an der Marineakademie in Annapolis 1946 diente er als Offizier auf U-Booten. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er 1953 nach Georgia zurück und übernahm den landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Später begann seine politische Laufbahn, die ihn über den Senat von Georgia bis ins Gouverneursamt führte.
1976 gewann Carter als Kandidat der Demokratischen Partei die Präsidentschaftswahl gegen den republikanischen Amtsinhaber Gerald Ford. Am 20. Januar 1977 wurde er als 39. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Menschenrechte sollten eine zentrale Rolle seiner Außenpolitik spielen. Gleichzeitig musste seine Regierung mit wirtschaftlichen Problemen, hoher Inflation und Energiekrisen umgehen.
Was erreichte Carter mit dem Camp-David-Abkommen?
Zu Carters wichtigsten politischen Erfolgen gehörte seine Vermittlung zwischen Ägypten und Israel. Im September 1978 lud er den ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat und den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin nach Camp David ein. Fast zwei Wochen lang wurde dort unter intensiver Beteiligung des amerikanischen Präsidenten verhandelt.
Am 17. September wurden die Camp-David-Abkommen unterzeichnet. Sie bildeten die Grundlage für den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel vom 26. März 1979. Carter hatte dabei weit mehr als eine repräsentative Vermittlerrolle übernommen. Er führte zahlreiche getrennte Gespräche mit beiden Delegationen und half, Kompromisse zwischen festgefahrenen Positionen zu entwickeln. Der Friedensschluss gilt bis heute als einer der bedeutendsten außenpolitischen Erfolge seiner Amtszeit.
Warum verlor Jimmy Carter 1980 die Präsidentschaftswahl?
Die zweite Hälfte seiner Amtszeit wurde zunehmend von Krisen überschattet. Nach der iranischen Revolution besetzten Demonstranten am 4. November 1979 die US-Botschaft in Teheran und nahmen amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter als Geiseln. Die Gefangenschaft dauerte 444 Tage. Ein amerikanischer Befreiungsversuch scheiterte im April 1980 und beschädigte Carters Ansehen zusätzlich.
Auch der sowjetische Einmarsch in Afghanistan Ende 1979 verschärfte die internationale Lage. Gleichzeitig kämpften die Vereinigten Staaten mit Inflation, hohen Energiepreisen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Bei der Präsidentschaftswahl im November 1980 unterlag Carter dem Republikaner Ronald Reagan deutlich. Die amerikanischen Geiseln im Iran kamen am 20. Januar 1981 frei, ausgerechnet an dem Tag, an dem Reagan als Carters Nachfolger vereidigt wurde.
Carters politische Geschichte war damit jedoch keineswegs beendet. 1982 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Rosalynn das Carter Center. In den folgenden Jahrzehnten engagierte er sich als Vermittler bei internationalen Konflikten, für demokratische Wahlen, Menschenrechte und die Bekämpfung von Krankheiten. 2002 erhielt er für dieses langjährige Engagement den Friedensnobelpreis.
Jimmy Carter starb am 29. Dezember 2024 im Alter von 100 Jahren in Plains. Damit war er der älteste ehemalige Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Seine Amtszeit bleibt widersprüchlich: Auf bedeutende diplomatische Erfolge folgten schwere politische Krisen. Zugleich wurde aus dem abgewählten Präsidenten einer der international sichtbarsten humanitären Vermittler seiner Generation. Gerade diese ungewöhnliche zweite Karriere machte Carter zu einer politischen Persönlichkeit, deren Bedeutung weit über seine vier Jahre im Weißen Haus hinausreichte.
Quellen
▪︎ U.S. Department of State, Office of the Historian: „Foreign Relations of the United States, 1977–1980, Volume IX, Arab-Israeli Dispute, August 1978–December 1980“, 18. Dezember 2014
▪︎ Nobelkomitee: „Press release – The Nobel Peace Prize 2002“, 11. Oktober 2002
▪︎ The Carter Center: „Former U.S. President Jimmy Carter Passes Away at 100“, 29. Dezember 2024
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