Eigentlich könnte die Sache für einen Drachen kaum eindeutiger sein: Feuer gehört zur Familie. Doch Grisu wollte mit dieser Tradition nichts zu tun haben. Der kleine Drache träumte davon, Feuerwehrmann zu werden, während sein Vater Fumé kaum verstehen konnte, warum sein Sohn ausgerechnet Flammen löschen wollte. Aus diesem einfachen Gegensatz entstand eine italienische Zeichentrickserie, die auch im deutschen Fernsehen zu einem festen Bestandteil der Kindheit vieler Zuschauer wurde. Besonders in den Achtzigerjahren war Grisu immer wieder im ZDF zu sehen.
Woher stammt Grisu, der kleine Drache?
Die Figur wurde von den italienischen Brüdern Nino und Toni Pagot entwickelt. Ihre Ursprünge liegen bereits in den Sechzigerjahren, als ein kleiner Drache für Werbespots geschaffen wurde. Mitte der Siebzigerjahre entstand daraus die eigenständige Zeichentrickserie „Grisù il draghetto“. Sie umfasste insgesamt 52 kurze Episoden von jeweils ungefähr zehn bis elf Minuten.
Im Mittelpunkt stand von Anfang an der Widerspruch zwischen Grisu und seinem Vater. Fumé ist stolz auf seine Drachennatur und das Feuerspeien, während sein Sohn genau darin ein Problem sieht. Grisu möchte helfen und Brände löschen. Weil sich sein Wunsch nach einer Stelle bei der Feuerwehr jedoch nicht sofort erfüllt, probiert er immer neue Berufe aus.
Dabei wird er unter anderem Astronaut, Zugführer, Geheimagent, Landwirt oder Kernphysiker. Die einzelnen Geschichten spielen mit dieser ständig wiederkehrenden Idee: Grisu bemüht sich nach Kräften, etwas Sinnvolles zu tun, doch seine Fähigkeit, Feuer zu speien, führt häufig zu neuen Schwierigkeiten.
Wann lief Grisu erstmals im deutschen Fernsehen?
Im ZDF begann die deutsche Ausstrahlung am 3. Juli 1977. Die ursprünglich 52 kurzen italienischen Episoden wurden für das deutsche Fernsehen zu 28 längeren Folgen zusammengefasst. Zunächst zeigte das ZDF sieben Folgen im Sommer 1977. Weitere Episoden folgten ab September 1980. Gerade dadurch wurde Grisu auch zu einer typischen Fernsehfigur der Achtzigerjahre.
1983 und 1985 tauchte die Serie erneut im ZDF-Programm auf. 1986 wurden schließlich die Folgen 16 bis 28 ausgestrahlt. Im März 1989 folgte eine weitere größere Wiederholung. Grisu verschwand damit nie für besonders lange Zeit vom Bildschirm und konnte immer wieder eine neue Generation von Kindern erreichen.
Ein wichtiger Bestandteil der deutschen Fassung waren die markanten Stimmen. In den ersten 15 deutschen Folgen sprach Oliver Rohrbeck den kleinen Drachen, später übernahm Simon Jäger. Grisus Vater Fumé wurde von Arnold Marquis gesprochen, der dem deutschen Publikum auch als Synchronstimme von John Wayne bekannt war.
Warum blieb Grisu so gut in Erinnerung?
Grisu funktionierte vor allem deshalb, weil seine Geschichte sofort verständlich war. Ein Drache, der Feuerwehrmann werden möchte, widerspricht allem, was man von einem Drachen erwartet. Genau daraus entstanden Humor und Sympathie. Grisu lehnt seine Herkunft nicht ab, will aber selbst entscheiden, was aus ihm wird.
Gleichzeitig war die Serie erstaunlich abwechslungsreich. Durch Grisus ständig wechselnde Berufe konnten die Geschichten an unterschiedlichsten Orten spielen und Themen von Technik über Landwirtschaft bis zu Reisen und Naturkatastrophen aufgreifen. Trotz aller Missgeschicke blieb Grisu optimistisch und hielt unbeirrbar an seinem Berufswunsch fest.
Damit war der kleine Drache mehr als nur eine komische Zeichentrickfigur. Seine Geschichten handelten immer wieder davon, einen eigenen Weg zu suchen, auch wenn die Umgebung etwas völlig anderes erwartet. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb Grisu so lange im Gedächtnis blieb. Das Bild des kleinen Drachen, der lieber Feuer löschen als Feuer speien wollte, gehörte für viele Fernsehzuschauer der Achtzigerjahre einfach zum Kinderprogramm.
Quellen
▪︎ fernsehserien.de: „Grisu, der kleine Drache – Alle Sendetermine im ZDF seit 1977“
▪︎ TV Wunschliste: „Grisu, der kleine Drache – Serieninfos und Episoden“
▪︎ AntonioGenna.net: „Grisù il draghetto“
▪︎ Firenze University Press: Beitrag zur Geschichte der italienischen Animation und zur Entstehung von Grisù, 2025