Elton John in den Achtzigern: Zwischen Comeback, Welthits und neuen Krisen

Als die Achtzigerjahre begannen, musste Elton John niemandem mehr beweisen, dass er ein Star war. In den Siebzigern hatte der britische Sänger und Pianist mit Songs wie „Your Song“, „Rocket Man“ und „Crocodile Rock“ Weltruhm erreicht. Doch der Beginn des neuen Jahrzehnts verlief weniger eindeutig. Musikalische Trends veränderten sich, persönliche Probleme belasteten ihn, und nicht jedes Album konnte an frühere Erfolge anknüpfen. Gerade deshalb wurde die Mitte der Achtziger zu einer bemerkenswerten Phase: Elton John fand erneut zu Bernie Taupin und Teilen seiner früheren Band zurück und schaffte mit Songs wie „I’m Still Standing“ und „Nikita“ ein eindrucksvolles Comeback.

Wie gelang Elton John 1983 das Comeback?

Zu Beginn des Jahrzehnts veröffentlichte Elton John weiterhin regelmäßig neue Musik. Auf „21 at 33“ von 1980 folgten „The Fox“ und „Jump Up!“. Letzteres enthielt mit „Empty Garden (Hey Hey Johnny)“ eine bewegende Erinnerung an John Lennon, mit dem Elton John seit den Siebzigerjahren befreundet gewesen war. Der ganz große kommerzielle Impuls kam jedoch erst 1983.

Mit „Too Low for Zero“ arbeitete Elton John wieder enger mit seinem langjährigen Texter Bernie Taupin zusammen. Auch Davey Johnstone, Dee Murray und Nigel Olsson, Musiker aus seiner erfolgreichen Siebzigerjahre-Band, waren wieder beteiligt. Das Album enthielt gleich mehrere Hits. „I Guess That’s Why They Call It the Blues“, bei dem Stevie Wonder Mundharmonika spielte, erreichte hohe Chartplatzierungen in Großbritannien und den USA. Noch deutlicher wurde die neue Energie bei „I’m Still Standing“. Der Titel erreichte 1983 Platz vier der britischen Charts und entwickelte sich zu einem seiner bekanntesten Songs überhaupt.

Warum wurde „I’m Still Standing“ zu seinem Achtzigerjahre-Song?

Der Erfolg des Liedes lag nicht nur in seinem schnellen Rhythmus und der eingängigen Melodie. Schon der Titel passte hervorragend zu Elton Johns damaliger Situation. Nach mehr als einem Jahrzehnt im Musikgeschäft, wechselnden musikalischen Moden und schwächeren Phasen war er tatsächlich noch immer präsent.

1984 folgte das Album „Breaking Hearts“ mit „Sad Songs (Say So Much)“. Ein Jahr später erschien „Ice on Fire“. Daraus entwickelte sich „Nikita“ zu einem der größten internationalen Erfolge dieser Phase. Der Song erzählt vor dem Hintergrund des Kalten Krieges von einer unerreichbaren Liebe jenseits politischer Grenzen. George Michael war auf „Nikita“ und „Wrap Her Up“ als Backgroundsänger zu hören. „Nikita“ erreichte unter anderem Platz drei der britischen Singlecharts.

Gleichzeitig engagierte sich Elton John zunehmend bei Benefizprojekten. Gemeinsam mit Dionne Warwick, Stevie Wonder und Gladys Knight nahm er „That’s What Friends Are For“ auf. Die Einnahmen gingen an die amerikanische AIDS-Forschung; die Veröffentlichung brachte mehrere Millionen Dollar für diesen Zweck ein.

Welche Bedeutung hatte die Australien-Tour 1986?

Ende 1986 unternahm Elton John eine außergewöhnlich aufwendige Australien-Tour. Bei einem Teil der Konzerte wurde seine Band durch das 88-köpfige Melbourne Symphony Orchestra ergänzt. Vom 5. November bis 14. Dezember absolvierte er dort 26 Auftritte. Das abschließende Konzert in Sydney wurde später als „Live in Australia with the Melbourne Symphony Orchestra“ veröffentlicht.

Die Tour fiel allerdings in eine schwierige gesundheitliche Phase. Elton John hatte erhebliche Probleme mit seiner Stimme und musste sich anschließend einer Operation am Hals unterziehen. Die Aufnahmen aus Sydney zeigen daher einen Sänger, dessen Stimme rauer klang als zuvor. Eine Liveversion von „Candle in the Wind“ wurde 1987 dennoch zu einem weiteren großen Erfolg.

Zum Ende des Jahrzehnts blieb Elton John produktiv. 1988 erschien „Reg Strikes Back“, 1989 „Sleeping with the Past“. Daraus stammte „Sacrifice“, das zunächst nur mäßig erfolgreich war, nach einer erneuten Veröffentlichung 1990 aber zu seinem ersten britischen Solo-Nummer-eins-Hit wurde.

Die Achtzigerjahre waren für Elton John deshalb kein geradliniges Erfolgsjahrzehnt. Sie zeigten vielmehr, wie ein bereits etablierter Superstar seinen Platz in einer veränderten Popwelt behauptete. Er modernisierte seinen Klang, fand erneut zu seinen wichtigsten musikalischen Partnern und schuf Songs, die längst ebenso fest mit seinem Namen verbunden sind wie seine großen Hits der Siebzigerjahre.

Quellen
▪︎ Elton John: „Diamond Moments: Elton and Bernie in the 1980s“
▪︎ Elton John: „Diamond Moments: ‘I’m Still Standing’“
▪︎ Elton John: „Elton’s ‘Tour de Force’ Remembered“
▪︎ Elton John: „Elton’s ‘Tour de Force’ Remembered – Part 2“