Als Dire Straits 1977 in London entstanden, passten sie eigentlich kaum in ihre Zeit. Punk war auf dem Vormarsch, Disco beherrschte die Tanzflächen, und eine Band mit zurückhaltendem Gitarrenrock, erzählerischen Texten und einem Sänger ohne klassische Rockstar-Attitüde schien zunächst wenig spektakulär. Doch gerade diese Eigenständigkeit wurde zum Markenzeichen. Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich Dire Straits von einer Londoner Pubband zu einem der international erfolgreichsten Rockacts der achtziger Jahre.
Im Mittelpunkt stand Mark Knopfler. Gemeinsam mit seinem Bruder David Knopfler, Bassist John Illsley und Schlagzeuger Pick Withers gründete er die Band in Deptford. Der Durchbruch gelang mit „Sultans of Swing“. Das Stück zeigte bereits vieles von dem, was Dire Straits unverwechselbar machte: Knopflers beinahe beiläufig wirkenden Gesang, seine präzise Fingertechnik auf der Gitarre und Texte, die eher kleine Geschichten erzählten als große Rockparolen.
Warum klangen Dire Straits so anders?
Der Klang der frühen Dire Straits war ungewöhnlich unaufdringlich. Knopfler setzte weniger auf verzerrte Gitarrenwände als auf klare Linien, rhythmische Feinheiten und ein Spiel, das Einflüsse aus Blues, Country und traditionellem Rock miteinander verband. Gerade in einer Zeit, in der musikalische Extreme viel Aufmerksamkeit erhielten, wirkte diese kontrollierte Art fast altmodisch und zugleich eigenständig.
Mit Alben wie „Making Movies“ von 1980 und „Love Over Gold“ von 1982 wurden die Arrangements größer und aufwendiger. Titel wie „Romeo and Juliet“ oder das mehr als 14 Minuten lange „Telegraph Road“ zeigten, dass die Band auch jenseits klassischer Radiosongs funktionierte. Gleichzeitig veränderte sich die Besetzung. David Knopfler verließ Dire Straits bereits während der Arbeiten an „Making Movies“, während Mark Knopfler immer deutlicher zum musikalischen Zentrum wurde.
Wie wurden Dire Straits zu Weltstars?
1985 änderte sich die Größenordnung noch einmal. „Brothers in Arms“, das fünfte Studioalbum der Band, erschien am 17. Mai und wurde zu einem der prägenden Alben des Jahrzehnts. Produziert wurde es von Mark Knopfler und Neil Dorfsman. Die Aufnahmen entstanden unter anderem auf Montserrat, und der sorgfältig produzierte Klang passte perfekt zum damals noch jungen Medium Compact Disc.
Das Album verband sehr unterschiedliche Stücke. „Money for Nothing“ war ein wuchtiger Rocksong mit einem markanten Gitarrenriff und Unterstützung von Sting, „Walk of Life“ setzte auf einen beinahe nostalgischen Rock’n’Roll-Ton, während der Titelsong „Brothers in Arms“ ruhig und melancholisch wirkte. Besonders das Video zu „Money for Nothing“ wurde durch die intensive Ausstrahlung bei MTV zu einem Sinnbild der Popkultur Mitte der achtziger Jahre.
„Brothers in Arms“ erreichte in Großbritannien Platz eins und hielt sich dort insgesamt 14 Wochen an der Spitze. Das Album wurde außerdem zu einem frühen Massenerfolg der CD und verkaufte sich weltweit in zweistelliger Millionenhöhe. Dire Straits waren nun keine erfolgreiche Rockband mehr, sondern ein globales Phänomen.
Was blieb von Dire Straits nach den Achtzigern?
Der enorme Erfolg hatte allerdings seinen Preis. Nach der langen „Brothers in Arms“-Tour zog sich die Band zunächst zurück. 1991 erschien noch das Studioalbum „On Every Street“, doch die besondere Dynamik der achtziger Jahre ließ sich nicht wiederholen. Mark Knopfler konzentrierte sich anschließend zunehmend auf seine Solokarriere.
Dass Dire Straits weit über ihre aktive Zeit hinaus Bedeutung behalten haben, zeigte spätestens die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame im Jahr 2018. Vierzig Jahre nach „Brothers in Arms“ erschien 2025 zudem eine umfangreiche Jubiläumsausgabe des Albums.
Dire Straits stehen damit für einen ungewöhnlichen Weg durch die achtziger Jahre. Sie mussten weder besonders laut noch besonders schrill auftreten, um zu einer der größten Bands ihrer Zeit zu werden. Ihr Erfolg beruhte auf Songs, die auch ohne die Mode ihrer Entstehungszeit funktionieren, und auf einem Gitarrenton, bei dem oft wenige Takte genügen, um zu erkennen, wer dort spielt.
Quellen
▪︎ The Guardian: „Dire Straits: straight on up from Deptford to Dylan“
▪︎ Rolling Stone: „Dire Straits: ‚Brothers In Arms‘ erscheint als Jubiläumsedition“
▪︎ Der Tagesspiegel / Deutsche Presse-Agentur: „Albumklassiker der Dire Straits: ‚Brothers In Arms‘ wird 40“