Ein ruhiger Mann im Anzug, ein Mordfall in München und daneben fast immer Harry Klein: Über Jahrzehnte reichte dieses Grundgerüst aus, um „Derrick“ zu einer der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien überhaupt zu machen. Horst Tappert spielte den Oberinspektor Stephan Derrick, Fritz Wepper seinen Kollegen Harry Klein. Von 1974 bis 1998 entstanden 281 Folgen. Besonders in den Achtzigerjahren gehörte die Serie zum festen Bestandteil des deutschen Fernsehprogramms und war längst auch international ein außergewöhnlicher Erfolg.
Wie entstand die Fernsehserie „Derrick“?
„Derrick“ wurde von Drehbuchautor Herbert Reinecker entwickelt und von Helmut Ringelmann produziert. Die erste Folge „Waldweg“ lief am 20. Oktober 1974 im ZDF. Reinecker schrieb sämtliche 281 Episoden, in denen Derrick und Klein überwiegend Mordfälle in München und Umgebung untersuchten.
Fritz Wepper war dem Fernsehpublikum als Harry Klein bereits bekannt. Er hatte die Figur zuvor in der Krimiserie „Der Kommissar“ gespielt. Mit dem Wechsel zu „Derrick“ bekam der Ermittler einen neuen Chef. Horst Tappert gestaltete Stephan Derrick deutlich zurückhaltender als viele klassische Krimihelden. Er war kein Mann spektakulärer Verfolgungsjagden oder Schießereien. Meist beobachtete er, stellte Fragen und wartete darauf, dass sich hinter scheinbar geordneten Verhältnissen Widersprüche zeigten.
Gerade diese Erzählweise prägte die Serie. Häufig kannte das Publikum den Täter oder zumindest die entscheidenden Umstände schon früh. Die Spannung entstand weniger aus der Frage, wer die Tat begangen hatte, sondern daraus, wie Derrick den Täter überführen würde.
Warum war „Derrick“ international so erfolgreich?
Die Serie entwickelte sich zu einem ungewöhnlichen deutschen Fernsehexport. Sie wurde in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt und erreichte Zuschauer weit über den deutschsprachigen Raum hinaus. Damit gehörte „Derrick“ zu den international erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen seiner Zeit.
Ein Grund für diese Wirkung lag möglicherweise in der einfachen, leicht verständlichen Struktur. Die Fälle konzentrierten sich häufig auf menschliche Motive wie Eifersucht, Habgier, Angst, gesellschaftlichen Druck oder familiäre Konflikte. Derrick blieb dabei auffallend kontrolliert. Über sein Privatleben erfuhren die Zuschauer nur wenig, sodass die Figur fast vollständig über ihre Arbeit definiert wurde.
Auch das Zusammenspiel mit Harry Klein wurde zu einem Markenzeichen. Der häufig zitierte Satz „Harry, hol schon mal den Wagen“ entwickelte sich zwar zu einem geflügelten Wort, lässt sich in dieser Form in der Serie jedoch nicht als regelmäßig verwendeter Derrick-Satz belegen.
Warum wird „Derrick“ heute auch kritisch gesehen?
Die letzte Folge „Das Abschiedsgeschenk“ wurde am 16. Oktober 1998 ausgestrahlt. Derrick verlässt darin die Münchner Polizei, um eine neue Aufgabe bei Europol anzutreten. Nach 24 Jahren endete damit eine der langlebigsten deutschen Krimiserien.
2013 veränderte eine Enthüllung den Blick auf ihren Hauptdarsteller. Recherchen ergaben, dass Horst Tappert während des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS gewesen war. Über diesen Teil seiner Vergangenheit hatte er zu Lebzeiten nicht offen berichtet. Welche konkreten Tätigkeiten Tappert während seines Einsatzes ausgeübt hatte, ließ sich anhand der bekannten Unterlagen nicht eindeutig feststellen. Nach Bekanntwerden seiner SS-Mitgliedschaft entschied das ZDF, weitere Wiederholungen der Serie nicht mehr einzuplanen.
Damit gehört „Derrick“ heute zu einem Stück Fernsehgeschichte, das aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden muss. Die Serie prägte über Jahrzehnte den deutschen Fernsehkrimi und erreichte ein internationales Publikum wie kaum eine andere deutsche Produktion. Gleichzeitig hat die später bekannt gewordene Vergangenheit ihres Hauptdarstellers das Bild des scheinbar makellosen Fernsehkommissars dauerhaft überschattet.
Quellen
▪︎ ZDF Studios: „Derrick“
▪︎ Der Tagesspiegel: „Späte Enthüllung: Horst Tappert war in der Waffen-SS“
▪︎ ORF: „Horst Tappert war bei der Waffen-SS“
▪︎ Der Tagesspiegel: „Krimi: ‚Beleidigung für die Opfer des Krieges‘“
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