Kaum eine große Rockband veränderte sich zu Beginn der Achtzigerjahre so radikal wie Yes. In den Siebzigern waren die Briten für lange Kompositionen, komplexe Arrangements und virtuose instrumentale Passagen bekannt geworden. Alben wie „Fragile“ und „Close to the Edge“ gehörten zu den Klassikern des Progressive Rock. Doch nach zahlreichen Besetzungswechseln schien die Geschichte der Band zeitweise beinahe beendet. Dann kehrte Yes 1983 mit einem völlig neuen Klang zurück und landete ausgerechnet mit „Owner of a Lonely Heart“ den größten Single-Erfolg ihrer Karriere.
Was geschah mit Yes zu Beginn der Achtzigerjahre?
Bereits 1980 hatte sich die klassische Besetzung verändert. Sänger Jon Anderson und Keyboarder Rick Wakeman waren ausgestiegen. Für das Album „Drama“ kamen Trevor Horn und Geoff Downes von den Buggles hinzu, die kurz zuvor mit „Video Killed the Radio Star“ bekannt geworden waren. „Drama“ klang härter und moderner als manche früheren Yes-Alben, konnte die internen Probleme der Band aber nicht lösen.
Nach der anschließenden Tour zerfiel die Gruppe zunächst. Steve Howe schloss sich später Asia an, während Bassist Chris Squire und Schlagzeuger Alan White weiter miteinander arbeiteten. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Gitarristen und Sänger Trevor Rabin entstand eine neue Band, die zunächst Cinema heißen sollte. Auch der frühere Yes-Keyboarder Tony Kaye kam hinzu.
Erst als Jon Anderson einige der neuen Aufnahmen hörte und sich beteiligte, fiel die Entscheidung, unter dem Namen Yes weiterzumachen. Damit entstand eine Formation, die mit der Yes-Musik der Siebzigerjahre zwar verbunden war, klanglich aber deutlich neue Wege einschlug.
Warum wurde „Owner of a Lonely Heart“ so erfolgreich?
Das Album „90125“ erschien im November 1983 und wurde von Trevor Horn produziert. Schon der erste Song machte deutlich, wie grundlegend sich Yes verändert hatten. „Owner of a Lonely Heart“ setzte auf einen harten Gitarrenriff, elektronische Effekte, Samples und einen kompakten Aufbau. Die ausgedehnten Progressive-Rock-Strukturen früherer Jahre waren einem zeitgemäßen, präzise produzierten Rocksound gewichen.
Der Song erreichte im Januar 1984 Platz eins der amerikanischen Billboard Hot 100 und wurde damit der einzige Nummer-eins-Singlehit von Yes in den USA. In Großbritannien kam er dagegen lediglich auf Platz 28. Das Album selbst entwickelte sich international zu einem der größten kommerziellen Erfolge der Band.
Mit Stücken wie „Changes“, „It Can Happen“ und „Leave It“ zeigte „90125“, dass Yes ihre musikalische Komplexität nicht vollständig aufgegeben hatten. Sie verpackten sie nun jedoch in kürzere, radiotauglichere Songs. Das Instrumentalstück „Cinema“ brachte der Band 1985 sogar einen Grammy für die beste Rock-Instrumentaldarbietung ein.
Hatten Yes ihren Progressive Rock damit aufgegeben?
Der neue Klang spaltete Teile des langjährigen Publikums. Für manche Fans hatte die Band zu viel von jener ausufernden musikalischen Architektur verloren, die Yes in den Siebzigern ausgezeichnet hatte. Gleichzeitig brachte Trevor Rabin einen energischen Gitarrenstil und ein stärkeres Gespür für modernen Rock und Pop ein.
1987 folgte „Big Generator“. Die Produktion zog sich über einen langen Zeitraum hin und war von Spannungen begleitet. Songs wie „Rhythm of Love“ und „Love Will Find a Way“ führten den zugänglicheren Stil der Achtzigerjahre weiter, konnten den außergewöhnlichen Erfolg von „90125“ jedoch nicht vollständig wiederholen.
Gerade dieser Wandel macht Yes in den Achtzigerjahren bemerkenswert. Die Band versuchte nicht, ihre Vergangenheit einfach zu wiederholen. Stattdessen entstand aus Musikern verschiedener Phasen eine neue Version von Yes, die sich den Produktionsmethoden und Hörgewohnheiten ihrer Zeit öffnete. „Owner of a Lonely Heart“ klang 1983 kaum nach der Band von „Close to the Edge“ und war dennoch unverkennbar das Ergebnis erfahrener Musiker, die komplexe Ideen in eine neue Form brachten.
Damit gelang Yes etwas, woran viele Gruppen ihrer Generation scheiterten: Sie überlebten den Wechsel der musikalischen Jahrzehnte nicht nur, sondern schufen mitten in den Achtzigern ihren größten internationalen Singlehit.
Quellen
▪︎ Yes: „We Are Yes“
▪︎ Yes: „The Studio Albums 1969–1987“
▪︎ Official Charts Company: „Owner of a Lonely Heart – Yes“
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „Yes“, 2017
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