Trevor Horn begann seine Karriere nicht hinter dem Mischpult, sondern vor dem Mikrofon. Mit den Buggles landete er 1979 einen Nummer-eins-Hit, kurz darauf stand er als Sänger der Progressive-Rock-Band Yes auf der Bühne. Doch seine größte Wirkung entfaltete Horn anschließend im Studio. In den 1980er Jahren produzierte er Aufnahmen von ABC, Frankie Goes to Hollywood, Yes und Grace Jones und gehörte zu jenen Produzenten, die neue Studiotechnik nicht nur als Hilfsmittel, sondern als eigenes musikalisches Instrument verstanden.
Geboren wurde Horn 1949 im englischen Durham. Nach verschiedenen Tätigkeiten als Musiker und Studiomusiker gründete er mit Geoff Downes die Buggles. „Video Killed the Radio Star“ wurde 1979 zum größten Erfolg des Duos und erreichte die Spitze der britischen Singlecharts. Rückblickend wirkte der Titel fast prophetisch, denn sein Musikvideo eröffnete 1981 das Programm des amerikanischen Senders MTV.
Warum sang Trevor Horn bei Yes?
1980 ergab sich eine ungewöhnliche Wendung. Horn und Downes schlossen sich Yes an, nachdem Sänger Jon Anderson und Keyboarder Rick Wakeman die Band verlassen hatten. Horn übernahm den Gesang auf dem Album „Drama“. Für ihn erfüllte sich damit zwar der Traum, Mitglied einer von ihm bewunderten Band zu werden, doch auf der Bühne erwies sich die Aufgabe als schwierig. Viele Fans verbanden Yes untrennbar mit Andersons Stimme, und nach der Tour endete Horns Zeit als Frontmann.
Die Verbindung zu Yes war damit jedoch nicht beendet. Als Produzent kehrte Horn für das 1983 veröffentlichte Album „90125“ zurück. Besonders „Owner of a Lonely Heart“ verband den klassischen Bandklang mit Samples, elektronischen Effekten und einem deutlich moderneren Rhythmusgefühl. Der Song wurde zum größten amerikanischen Singleerfolg von Yes.
Wie veränderte Trevor Horn den Pop der 80er?
Nach seiner Zeit bei Yes konzentrierte sich Horn immer stärker auf die Produktion. Mit ABC entstand 1982 „The Lexicon of Love“, ein aufwendig arrangiertes Popalbum mit orchestralen Elementen und präziser Studiogestaltung. Gleichzeitig beschäftigte Horn sich intensiv mit neuer Technik. Besonders der Fairlight CMI, ein früher digitaler Sampler, eröffnete Möglichkeiten, Geräusche und kurze Klangfragmente aufzunehmen, zu verändern und in völlig neuen Zusammenhängen einzusetzen.
Gemeinsam mit seiner Frau Jill Sinclair und weiteren Partnern gründete Horn 1983 das Label ZTT Records. Aus seinem Studioumfeld entwickelte sich außerdem Art of Noise, bei denen Sampling, elektronische Rhythmen und verfremdete Geräusche selbst zum Mittelpunkt der Musik wurden. Horns Produktionen klangen häufig größer, dichter und künstlicher als herkömmliche Popaufnahmen und passten damit hervorragend zu einer Zeit, in der Musikvideo, digitale Technik und aufwendige Studioproduktionen immer wichtiger wurden.
Welche Hits produzierte Trevor Horn?
Besonders deutlich wurde Horns Stil bei Frankie Goes to Hollywood. „Relax“ und „Two Tribes“ gehörten 1984 zu den erfolgreichsten britischen Singles und wurden durch ihre monumentale Produktion ebenso geprägt wie durch die Band selbst. Auch Grace Jones’ „Slave to the Rhythm“ entstand unter seiner Leitung. Horn arbeitete dabei nicht nach einem festen Klangrezept. Entscheidend war vielmehr sein Anspruch, aus einer Aufnahme etwas zu machen, das sofort Aufmerksamkeit erzeugte.
Seine Karriere endete nicht mit den 1980er Jahren. Später produzierte Horn unter anderem Seal und gewann für „Kiss from a Rose“ den Grammy für die Aufnahme des Jahres. Damit zeigte sich, dass seine Bedeutung nicht allein auf einer bestimmten Studiotechnik oder einem Jahrzehnt beruhte.
Trevor Horn machte den Produzenten zu einer hörbaren kreativen Kraft hinter der Musik. Die Buggles brachten ihm zunächst selbst den Ruhm eines Popstars, doch seine eigentliche Stärke lag darin, die Ideen anderer Künstler im Studio zu vergrößern, zu zerlegen und neu zusammenzusetzen. Wer den aufwendigen, elektronischen und oft überlebensgroßen Klang vieler Popproduktionen der 1980er Jahre verstehen will, kommt an seinem Namen kaum vorbei.
Quellen
▪︎ Recording Academy: „Trevor Horn’s Latest Invention“
▪︎ The Guardian: „Grace Jones was in a state: legendary producer Trevor Horn relives his mega-hits“
▪︎ The Guardian: „Horn of plenty“
▪︎ Official Charts Company: „Video Killed the Radio Star – Buggles“
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