Peter Gabriel: Vom Genesis-Frontmann zum eigenständigen Klangkünstler

Als Peter Gabriel 1975 Genesis verließ, war keineswegs sicher, ob er außerhalb der Band ähnlich erfolgreich sein würde. Bei Genesis hatte er sich nicht nur als Sänger, sondern mit Kostümen, Masken und ungewöhnlichen Bühnenfiguren einen Namen gemacht. Doch seine Solokarriere zeigte schnell, dass hinter dem exzentrischen Frontmann ein Musiker steckte, der Pop, Rock, elektronische Klänge und Einflüsse aus anderen Musikkulturen miteinander verbinden wollte.

Gabriel wurde am 13. Februar 1950 in Chobham in der englischen Grafschaft Surrey geboren. Genesis gehörte er seit der Gründung Ende der 1960er Jahre an. Nach seinem Ausstieg begann er Mitte der 1970er Jahre eine neue Karriere, die zunächst alles andere als auf schnellen kommerziellen Erfolg ausgerichtet war. Seine ersten vier Soloalben trugen schlicht seinen Namen und unterschieden sich musikalisch deutlich voneinander.

Welche Musik machte Peter Gabriel in den Achtzigern?

Besonders wichtig wurde das 1980 veröffentlichte dritte Soloalbum. Gabriel experimentierte stärker mit Rhythmus, elektronischen Instrumenten und ungewöhnlichen Aufnahmetechniken. Mit „Games Without Frontiers“ gelang ihm ein großer britischer Hit. Noch bedeutender wurde „Biko“, ein Lied über den südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Steve Biko, der 1977 nach Misshandlungen durch die südafrikanische Sicherheitspolizei gestorben war. Gabriel verband damit Popmusik offen mit einem politischen Thema.

1982 folgte ein weiteres selbstbetiteltes Album mit Stücken wie „Shock the Monkey“ und „I Have the Touch“. Gleichzeitig interessierte sich Gabriel zunehmend für Musik außerhalb der westlichen Rocktradition. Gemeinsam mit anderen Beteiligten gründete er WOMAD, das Festival „World of Music, Arts and Dance“. Das erste Festival fand im Juli 1982 in England statt und brachte Musiker aus zahlreichen Ländern zusammen. Finanziell endete die Premiere problematisch, künstlerisch wurde WOMAD jedoch zum Ausgangspunkt eines langfristig erfolgreichen Projekts.

Warum wurde „So“ Peter Gabriels größter Erfolg?

Den endgültigen Durchbruch als internationaler Popstar brachte 1986 das Album „So“. Anders als seine vorherigen Soloalben besaß es erstmals einen eigenen Titel und verband Gabriels Experimentierfreude mit deutlich zugänglicheren Songs. Beteiligt waren unter anderem Kate Bush und der senegalesische Sänger Youssou N’Dour.

Die erste Single „Sledgehammer“ erschien am 21. April 1986 und erreichte in den USA Platz eins der Billboard Hot 100. Das dazugehörige Musikvideo mit Stop-Motion-Animationen wurde mindestens ebenso berühmt wie das Lied selbst. Bei den MTV Video Music Awards 1987 gewann es neun Preise. Songs wie „Don’t Give Up“, „Big Time“ und „In Your Eyes“ machten „So“ zu dem Album, mit dem Gabriel weit über sein bisheriges Publikum hinaus bekannt wurde.

Bemerkenswert war, dass der kommerzielle Erfolg seine musikalische Neugier nicht beendete. Gabriel arbeitete weiterhin mit Musikern unterschiedlicher Herkunft und entwickelte Ende der Achtziger mit Real World Studios einen Ort, an dem Künstler verschiedener musikalischer Traditionen gemeinsam aufnehmen konnten.

Was machte Peter Gabriel so ungewöhnlich?

Gabriel gehörte zu den Musikern der Achtziger, die neue technische Möglichkeiten nicht nur als Effekt verstanden. Videos, elektronische Instrumente, Sampling und neue Studiotechniken wurden bei ihm zu Bestandteilen der künstlerischen Gestaltung. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen und öffnete sein Publikum für Musik, die im westlichen Popradio damals nur selten vorkam.

Gerade diese Mischung macht seine Stellung in der Popgeschichte besonders. Peter Gabriel schaffte es, experimenteller Musiker und erfolgreicher Popstar zugleich zu sein. Seine Achtzigerjahre erzählen deshalb nicht nur die Geschichte von „Sledgehammer“ und „So“, sondern von einem Künstler, der nach Genesis noch einmal eine völlig eigene musikalische Welt entwickelte.

Quellen
▪︎ Peter Gabriel: „Peter Gabriel“, 30. Mai 1980
▪︎ Peter Gabriel: „Biko“, 18. August 1980
▪︎ Peter Gabriel: „So“, 19. Mai 1986
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „Peter Gabriel“, 2014