Als die Achtzigerjahre begannen, musste Diana Ross niemandem mehr beweisen, dass sie ein Star war. Mit den Supremes hatte sie in den Sechzigerjahren Motown-Geschichte geschrieben, anschließend war ihr eine erfolgreiche Solokarriere gelungen. Doch gerade zu Beginn des neuen Jahrzehnts veränderte sich ihre musikalische Position noch einmal deutlich. Ross bewegte sich stärker in Richtung Disco, Funk und moderner Popproduktion, trennte sich nach vielen Jahren von Motown und behauptete sich als Solokünstlerin in einer Musiklandschaft, die sich rasch wandelte.
Wie wurde Diana Ross vom Supremes-Star zur Solokünstlerin?
Diana Ross wurde am 26. März 1944 in Detroit geboren. Gemeinsam mit Florence Ballard und Mary Wilson gehörte sie zu den Supremes, die in den Sechzigerjahren zu den erfolgreichsten Gruppen des Motown-Labels wurden. Songs wie „Where Did Our Love Go“, „Baby Love“ und „Stop! In the Name of Love“ machten die Gruppe international bekannt und halfen Motown dabei, schwarze Popmusik einem riesigen Publikum zugänglich zu machen.
1970 verließ Ross die Supremes und begann ihre Solokarriere. Bereits in den Siebzigerjahren gelangen ihr große Erfolge mit Titeln wie „Ain’t No Mountain High Enough“, „Touch Me in the Morning“ und „Love Hangover“. Daneben arbeitete sie als Schauspielerin und erhielt für ihre Darstellung der Billie Holiday im Film „Lady Sings the Blues“ eine Oscar-Nominierung. Als die Achtziger begannen, war Ross daher längst weit mehr als die frühere Sängerin einer erfolgreichen Girlgroup.
Warum wurde das Album „Diana“ 1980 so wichtig?
Einen entscheidenden Schritt in die neue Dekade machte Ross mit dem Album „Diana“. Für die Produktion engagierte Motown Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic, deren elegante Mischung aus Disco, Funk und Pop Ende der Siebzigerjahre großen Einfluss gewonnen hatte. Das Ergebnis klang moderner und rhythmischer als viele frühere Ross-Aufnahmen.
Besonders erfolgreich wurde „Upside Down“. Der Song erreichte in den USA Platz eins und entwickelte sich zu einem ihrer größten Solo-Hits. Auch „I’m Coming Out“ wurde zu einem zentralen Titel ihrer Karriere. Das Stück verband eine eingängige Melodie mit dem charakteristischen Chic-Sound und gewann später zusätzlich Bedeutung als Hymne der LGBTQ+-Community.
Die Zusammenarbeit verlief allerdings nicht völlig reibungslos. Ross war mit Teilen der ursprünglichen Abmischung unzufrieden und ließ das Album vor der Veröffentlichung überarbeiten. Der Erfolg bestätigte letztlich die ungewöhnliche Verbindung zwischen ihrer Stimme und dem modernen Funk-Sound von Rodgers und Edwards.
Wie erfolgreich war „Endless Love“ mit Lionel Richie?
1981 folgte einer der größten Hits ihrer gesamten Karriere. Gemeinsam mit Lionel Richie nahm Ross „Endless Love“ für den gleichnamigen Film auf. Richie hatte den Song geschrieben, und die beiden Sänger nahmen ihn unter schwierigen Terminbedingungen auf.
In den USA erreichte „Endless Love“ im August 1981 Platz eins der Billboard Hot 100 und blieb dort neun Wochen. Damit gehörte das Duett zu den erfolgreichsten Singles des Jahres und wurde zu einem der größten Erfolge in der Geschichte von Motown. Auch international war der Song erfolgreich; in Großbritannien erreichte er Platz sieben.
Kurz darauf endete jedoch Ross’ lange Verbindung zu Motown. Nach mehr als zwei Jahrzehnten verließ sie das Label und wechselte zu RCA. Dieser Schritt war auch deshalb bemerkenswert, weil Ross bei Motown nicht einfach irgendeine Sängerin gewesen war. Ihre Karriere war eng mit dem Aufstieg des Unternehmens verbunden.
Welche Erfolge hatte Diana Ross nach Motown?
Ihr erstes Album für RCA erschien 1981 unter dem Titel „Why Do Fools Fall in Love“. Ross übernahm nun selbst stärker die Kontrolle über ihre Produktionen. Der Titelsong, eine Neuaufnahme des Frankie-Lymon-Klassikers, wurde ein weiterer internationaler Erfolg.
1982 folgte „Silk Electric“. Für die Single „Muscles“ arbeitete Ross mit Michael Jackson zusammen, der den Song schrieb und produzierte. Der Titel erreichte in den USA die Top Ten und gehörte zu ihren auffälligsten Aufnahmen dieser Phase.
Auch in der Mitte des Jahrzehnts blieb Ross präsent. „Swept Away“ erschien 1984 und enthielt unter anderem „Missing You“, das Lionel Richie als Erinnerung an Marvin Gaye geschrieben hatte. 1985 arbeitete sie für „Eaten Alive“ unter anderem mit den Bee Gees zusammen. Der große kommerzielle Schwung der frühen Achtziger ließ zwar allmählich nach, doch Ross blieb eine international bekannte Bühnen- und Plattenkünstlerin.
Gerade die ersten Jahre des Jahrzehnts zeigen, weshalb Diana Ross eine besondere Stellung in der Popgeschichte besitzt. Sie hatte bereits mehrere musikalische Epochen durchlaufen, als andere Stars ihrer Generation langsam aus den Charts verschwanden. Mit „Upside Down“, „I’m Coming Out“ und „Endless Love“ gelang ihr dagegen noch einmal eine Reihe von Liedern, die eindeutig nach den frühen Achtzigern klangen, ohne ihre Herkunft aus Soul und Motown zu verleugnen. Aus der früheren Frontfrau der Supremes war längst eine eigenständige Popfigur geworden.
Quellen
▪︎ Official Charts Company: „Diana Ross – Songs and Albums, Full Official Chart History“
▪︎ Classic Motown: „Diana Ross & Lionel Richie – Endless Love“
▪︎ Encyclopaedia Britannica: „Diana Ross“
▪︎ Grammy Awards: „Diana Ross – Artist Profile“