Am Donnerstag, dem 17. Juli 1980, treffen in den amerikanischen Konzertsälen sehr unterschiedliche Vorstellungen von Rockmusik aufeinander. Heart bringen ihre großen Gitarrenstücke in die New Yorker Radio City Music Hall, während Devo in Boston mit Synthesizern, einheitlichen Kostümen und absichtlich kantigen Bewegungen auftreten. In den britischen Kinos beginnt Clint Eastwoods „Bronco Billy“, die Geschichte eines modernen Wildwest-Darstellers, der unbeirrt an seiner selbst geschaffenen Welt festhält. Auch die Hitparade ist in Bewegung: Bob Marley and the Wailers erreichen mit „Could You Be Loved“ die ersten fünf Plätze. In Detroit nimmt Ronald Reagan die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei an.
Die Geschichte des Tages: Heart bringt „Bébé le Strange“ in die Radio City Music Hall
Heart treten heute in der Radio City Music Hall in New York auf. Der große Saal im Rockefeller Center ist vor allem für Filmvorführungen, Bühnenshows und die präzise choreografierten Auftritte der Rockettes bekannt. An diesem Abend gehört die Bühne jedoch einer Rockband, die harte Gitarren mit akustischen Passagen und dem kraftvollen Gesang von Ann Wilson verbindet.
Die Gruppe präsentiert Material ihres aktuellen Albums „Bébé le Strange“. Es ist das erste Heart-Album ohne den Gitarristen Roger Fisher, der den Klang der früheren Aufnahmen wesentlich mitgeprägt hatte. Nancy Wilson übernimmt deshalb einen größeren Teil der Gitarrenarbeit. Neben elektrischen Riffs setzt sie auch akustische Instrumente ein und sorgt gemeinsam mit ihrer Schwester Ann für die deutlich wiedererkennbare musikalische Handschrift der Band.
Das Konzert beginnt mit dem Titelsong „Bébé le Strange“. Danach folgen unter anderem „Crazy on You“, „Straight On“, „Even It Up“, „Magic Man“ und „Barracuda“. Damit verbindet die Band neue Stücke mit ihren bekanntesten bisherigen Erfolgen. „Even It Up“ zeigt zugleich, wie Heart ihren Klang erweitern: Die Aufnahme arbeitet mit einem markanten Bläsersatz, während die Gitarren weiterhin im Vordergrund stehen.
Die Radio City Music Hall verlangt eine andere Wirkung als ein kleiner Rockclub. Die Bühne ist breit, der Zuschauerraum groß und auf eine sorgfältig inszenierte Darbietung ausgerichtet. Heart reagieren darauf nicht mit einer überladenen Show. Im Mittelpunkt bleiben die Stimmen, die Gitarren und die Wechsel zwischen druckvollen und ruhigeren Abschnitten.
Zum Ende des Programms spielt die Band auch fremde Stücke, darunter „Rock and Roll“ von Led Zeppelin und „Unchained Melody“. Solche Bearbeitungen zeigen, aus welchen Traditionen Heart ihren eigenen Stil entwickeln: britischer Hardrock, amerikanischer Folkrock, Soul und dramatisch aufgebaute Balladen.
Der Auftritt macht deutlich, wie selbstverständlich Frauen inzwischen auch im Zentrum einer großen amerikanischen Rockproduktion stehen können. Ann und Nancy Wilson sind nicht bloß Sängerinnen vor einer Begleitgruppe. Sie bestimmen Erscheinungsbild, Kompositionen und musikalische Ausrichtung von Heart entscheidend mit.
Musik, Songs und Künstler
Devo präsentiert „Whip It“ im Orpheum Theatre
Im Orpheum Theatre in Boston treten heute Devo auf. Die Gruppe aus Akron im US-Bundesstaat Ohio verbindet kurze Rocksongs mit Synthesizern, elektronisch bearbeiteten Klängen und einer Bühnendarstellung, die wie eine Mischung aus Fabrikarbeit, Lehrfilm und absurder Zukunftsschau wirkt.
Das Programm steht im Zeichen des neuen Albums „Freedom of Choice“. Devo spielen unter anderem „Girl U Want“, „Gates of Steel“, den Titelsong und „Whip It“. Letzteres ist zu diesem Zeitpunkt noch kein allgegenwärtiger Radioerfolg, bildet aber bereits einen zentralen Moment der Show.
Devo verwenden wiederholte Rhythmen und bewusst knappe Gitarrenfiguren. Die Musiker bewegen sich häufig synchron und tragen einheitliche Kleidung. Damit wenden sie sich gegen das Bild des frei auftretenden, individuell inszenierten Rockstars. Ihre Musik wirkt kontrolliert, maschinell und zugleich komisch.
Neben neuem Material stehen frühe Stücke wie „Jocko Homo“, „Mongoloid“ und „Uncontrollable Urge“ auf dem Programm. Auch ihre stark veränderte Fassung des Rolling-Stones-Titels „(I Can’t Get No) Satisfaction“ bleibt Bestandteil der Show. Devo verwandeln den bekannten Rocksong in eine nervöse Folge abgehackter Bewegungen und Rhythmen.
Die Doobie Brothers spielen mit den Dixie Dregs in Maryland
Im Merriweather Post Pavilion in Columbia im US-Bundesstaat Maryland treten heute die Doobie Brothers gemeinsam mit den Dixie Dregs auf. Die Doobie Brothers befinden sich in einer Phase, in der Keyboards, mehrstimmiger Gesang und Einflüsse aus Soul und Rhythm and Blues ihren früheren, stärker gitarrenbetonten Klang erweitert haben.
Sänger und Keyboarder Michael McDonald prägt diesen Wandel mit seiner rauen Stimme und seinen harmonisch ausgearbeiteten Klavier- und Orgelparts. Die Dixie Dregs um den Gitarristen Steve Morse arbeiten dagegen überwiegend instrumental. Ihre Musik verbindet Rock mit Jazz, Country und technisch anspruchsvollen Wechseln von Takt und Tempo.
Die Zusammenstellung bringt damit zwei Gruppen auf eine Bühne, die Rockmusik sehr unterschiedlich auffassen: Die Doobie Brothers setzen auf kompakte Songs und mehrstimmigen Gesang, die Dixie Dregs auf instrumentales Zusammenspiel und lange, komplex aufgebaute Passagen.
Film und Fernsehen
„Bronco Billy“ startet in den britischen Kinos
In Großbritannien läuft heute „Bronco Billy“ an. Clint Eastwood führt Regie und spielt die Titelrolle: einen Mann, der mit einer kleinen Wildwestshow durch das Land reist und vor überschaubarem Publikum Kunstschüsse, Messerwürfe und andere Zirkusnummern vorführt.
Bronco Billy ist kein wirklicher Cowboy aus dem amerikanischen Westen. Er hat sich diese Identität selbst geschaffen. Seine Mitarbeiter sind ebenfalls Außenseiter, die in der Show neue Namen und Aufgaben angenommen haben. Gemeinsam halten sie an einer Welt fest, die außerhalb ihres Zeltes längst nur noch als Unterhaltung und Erinnerung existiert.
Sondra Locke spielt Antoinette Lily, eine wohlhabende Frau, die nach einem Streit mit ihrem Ehemann ohne Geld und Gepäck zurückbleibt. Als sie sich der Truppe anschließt, begegnen zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit aufeinander: hier die gesellschaftlich abgesicherte, aber unzufriedene Frau, dort der mittellose Schausteller, der nach seinen eigenen Regeln lebt.
Der Film verbindet Komödie und Liebesgeschichte mit einem nachdenklichen Blick auf amerikanische Mythen. Bronco Billy weiß, dass seine Vorstellung nicht echt ist. Für ihn ist sie dennoch mehr als ein Geschäft. Die Show gibt ihm und seinen Mitarbeitern eine Gemeinschaft, die sie außerhalb der Manege nicht gefunden haben.
Der britische Kinostart folgt rund fünf Wochen nach der amerikanischen Premiere.
Menschen und Geschichten
Alice Cooper tauscht den Horror gegen kurze New-Wave-Songs
Im West Palm Beach Auditorium in Florida tritt Alice Cooper heute mit seinem Programm zum Album „Flush the Fashion“ auf. Die neue Musik unterscheidet sich deutlich von den langen, theatralischen Hardrockstücken, mit denen er zu Beginn der 1970er-Jahre bekannt wurde.
Titel wie „Model Citizen“, „Grim Facts“, „Clones (We’re All)“ und „Nuclear Infected“ sind kürzer, kantiger und stärker von der gerade aktuellen New Wave beeinflusst. Synthesizer und knapp gesetzte Gitarren ersetzen stellenweise die schweren Arrangements früherer Produktionen.
Vollständig trennt sich Cooper jedoch nicht von seiner bisherigen Bühnenfigur. Im Programm bleiben „I’m Eighteen“, „Only Women Bleed“, „Under My Wheels“, „Elected“ und zum Abschluss „School’s Out“. Das Konzert zeigt damit einen Künstler, der seinen Klang modernisieren möchte, ohne auf die Stücke zu verzichten, die das Publikum von ihm erwartet.
Technik, Spiele, Mode und Alltag
Keine aktuellen Meldungen.
Die Charts
Bob Marley erreicht mit „Could You Be Loved“ Platz fünf
Bob Marley and the Wailers steigen mit „Could You Be Loved“ in den britischen Singlecharts von Platz neun auf Platz fünf. Der Titel befindet sich in seiner fünften Chartwoche und erreicht eine neue Höchstposition.
Die Aufnahme verbindet einen gleichmäßigen Reggae-Grundrhythmus mit einer ungewöhnlich klaren, für das Radio geeigneten Produktion. Bass und Schlagzeug halten das Stück in ständiger Bewegung, während Gitarren kurze Akzente zwischen den Zählzeiten setzen. Keyboards und mehrstimmiger Hintergrundgesang verdichten den Refrain.
Der Aufstieg um vier Plätze bringt Bob Marley erstmals mit diesem Titel in die britischen Top Five. Zwischen Disco, Popballaden und New Wave behauptet sich damit eine Aufnahme, deren Rhythmus deutlich aus der jamaikanischen Musiktradition stammt, die aber für ein internationales Publikum produziert ist.
Die Nummer-eins-Titel
Deutsche Singlecharts: „Funkytown“ von Lipps, Inc.
Deutsche Albumcharts: Keine ausreichend zuverlässig belegte Angabe.
Britische Singlecharts: „Xanadu“ von Olivia Newton-John und Electric Light Orchestra.
Britische Albumcharts: „The Game“ von Queen.
Billboard Hot 100: „It’s Still Rock and Roll to Me“ von Billy Joel.
Amerikanische Albumcharts: „Glass Houses“ von Billy Joel.
Weltgeschehen in Kürze
Detroit: Ronald Reagan nimmt auf dem Parteitag der Republikaner in der Joe Louis Arena offiziell die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten an. In seiner Rede kritisiert der frühere Gouverneur von Kalifornien die Regierung von Präsident Jimmy Carter und stellt Wirtschaft, nationale Sicherheit und eine stärkere außenpolitische Position in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs.
Geburtstage
Die britische Schauspielerin Diahann Carroll wird heute 45 Jahre alt.
Der britische Musiker Spencer Davis feiert seinen 41. Geburtstag.
Die amerikanische Sängerin Phoebe Snow wird 30 Jahre alt.
Der amerikanische Schauspieler David Hasselhoff feiert seinen 28. Geburtstag.
Camilla Parker Bowles wird 33 Jahre alt.
Quellenverzeichnis
Redaktionsarchiv
„Heute in den 80ern“. Finaler Prompt 4.0 mit Redaktionsarchiv und Wiederholungsschutz, Einträge vom 18. bis 27. Juli 1980.
Geschichte des Tages
Setlist.fm: „Heart at Radio City Music Hall, New York“. Konzertdatenbank, 17. Juli 1980.
Look at Stubs: „Concert Tickets from 1980“. Dokumentierter Eintrittskartenbestand, Heart in der Radio City Music Hall, 17. Juli 1980.
Musik, Songs und Künstler
Setlist.fm: „Devo at Orpheum Theatre, Boston“. Konzertdatenbank, 17. Juli 1980.
Concert Archives: „The Doobie Brothers and Dixie Dregs at Merriweather Post Pavilion“. Konzertarchiv, 17. Juli 1980.
Film und Fernsehen
Warner Bros.: „Bronco Billy“. Produktions- und Verleihangaben.
Internet Movie Database: „Bronco Billy – Release Information“. Britischer Kinostart vom 17. Juli 1980.
Menschen und Geschichten
Setlist.fm: „Alice Cooper at West Palm Beach Auditorium“. Konzertdatenbank, 17. Juli 1980.
Charts
Official Charts Company: Britische Singlecharts, Ausgabe vom 13. bis 19. Juli 1980.
Official Charts Company: Britische Albumcharts, Ausgabe vom 13. bis 19. Juli 1980.
Billboard: „Hot 100“. Ausgabe vom 19. Juli 1980.
Billboard: „Top LPs & Tape“. Ausgabe vom 19. Juli 1980.
Weltgeschehen
Ronald Reagan Presidential Library: „Presidential Nomination Acceptance Speech“. Republican National Convention, Detroit, 17. Juli 1980.
Office of the Historian, United States Department of State: „Editorial Note: Reagan’s Acceptance of the Republican Presidential Nomination“.
Miller Center, University of Virginia: „July 17, 1980: Republican National Convention“.