Bud Spencer und der ungewöhnliche Weg zum Kultstar

Kaum ein Schauspieler ist im deutschsprachigen Raum so eng mit gutmütigen Prügeleien, trockenen Sprüchen und überforderten Ganoven verbunden wie Bud Spencer. Hinter dem Künstlernamen steckte jedoch ein Mann mit einer ungewöhnlichen Biografie. Carlo Pedersoli, geboren am 31. Oktober 1929 in Neapel, war lange vor seiner Filmkarriere erfolgreicher Leistungssportler, Olympiateilnehmer und italienischer Meister im Schwimmen. Erst vergleichsweise spät wurde aus ihm jener Bud Spencer, dessen Filme in den siebziger und achtziger Jahren ein Millionenpublikum erreichten.

Wie wurde Carlo Pedersoli zu Bud Spencer?

Pedersoli begann schon als Kind mit dem Schwimmen und entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der besten italienischen Freistilschwimmer. 1950 schwamm er die 100 Meter Freistil als erster Italiener in weniger als einer Minute. Er gewann mehrere nationale Meistertitel und nahm 1952 in Helsinki sowie 1956 in Melbourne an den Olympischen Spielen teil. In Helsinki belegte er über 100 Meter Freistil den geteilten zwölften Platz, vier Jahre später wurde er in Melbourne Sechzehnter. Auch im Wasserball war er erfolgreich und spielte unter anderem für Lazio Rom.

Das Filmgeschäft spielte zunächst nur eine Nebenrolle. Bereits Anfang der fünfziger Jahre übernahm Pedersoli kleinere Auftritte, darunter eine Rolle in dem Monumentalfilm Quo Vadis. Nach dem Ende seiner Sportkarriere arbeitete er zeitweise in Südamerika und kehrte anschließend nach Italien zurück. Erst in den sechziger Jahren wurde der Film zu seinem eigentlichen Beruf. Für seine neue Karriere legte er sich den Künstlernamen Bud Spencer zu.

Warum wurden Bud Spencer und Terence Hill so erfolgreich?

Den entscheidenden Durchbruch brachte die Zusammenarbeit mit Mario Girotti, der unter dem Namen Terence Hill bekannt wurde. Gemeinsam entwickelten beide eine Form der Actionkomödie, die Western, Abenteuerfilm, Slapstick und Prügeleien miteinander verband. Spencer verkörperte meist den schwergewichtigen, wortkargen und schnell genervten Kraftmenschen, während Hill den beweglicheren, schlagfertigen Gegenpart spielte.

Filme wie Die rechte und die linke Hand des Teufels, Vier Fäuste für ein Halleluja, Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle oder Zwei wie Pech und Schwefel machten das Duo international populär. Besonders in Westdeutschland entwickelten sich Spencer und Hill zu festen Größen des Unterhaltungskinos. Ihre Filme lebten weniger von realistischer Gewalt als von choreografierten Massenschlägereien, überzeichneten Geräuschen und einem Humor, bei dem am Ende kaum jemand ernsthaft zu Schaden kam.

Bud Spencer konnte auch ohne Terence Hill große Erfolge feiern. In Filmen wie Sie nannten ihn Mücke, Plattfuß am Nil, Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen oder Buddy haut den Lukas übertrug er seine bekannte Figur auf Sportfilme, Kriminalgeschichten und sogar Science-Fiction. Gerade diese Wiedererkennbarkeit wurde zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Popularität.

Was machte Bud Spencer als Schauspieler so besonders?

Spencers Leinwandfigur funktionierte durch einen auffälligen Gegensatz. Äußerlich wirkte er wie ein unbezwingbarer Koloss, spielte jedoch häufig ruhige, kinderfreundliche und im Kern friedliche Figuren. Seine Charaktere wollten Ärger meist vermeiden, wurden aber irgendwann dazu gezwungen, einzugreifen. Wenn anschließend ganze Gruppen von Gegnern durch Räume flogen, gehörte das weniger zum klassischen Actionkino als zu einer eigenen Form körperlicher Komödie.

Dass Carlo Pedersoli ein wesentlich vielseitigeres Leben führte als seine Filmfiguren vermuten ließen, trug später zusätzlich zu seiner Bekanntheit bei. Neben seiner Karriere als Sportler und Schauspieler besaß er unter anderem eine Pilotenlizenz und beschäftigte sich mit technischen Erfindungen.

Als Bud Spencer am 27. Juni 2016 in Rom starb, war aus dem ehemaligen Schwimmer längst eine europäische Kultfigur geworden. Seine Filme gehören besonders in Deutschland bis heute zum festen Bestand populärer Unterhaltung. Ihr Erfolgsrezept war erstaunlich einfach und zugleich schwer zu kopieren: ein großer Mann, wenige Worte, viel Humor und die beruhigende Gewissheit, dass am Ende meistens die Richtigen eine auf den Kopf bekommen.

Quellen
▪︎ Olympedia: „Carlo Pedersoli“
▪︎ Bud Spencer Official Website: „Carlo Pedersoli“
▪︎ Olympedia: „Italy at the 1952 Summer Olympics“