Die blaue Lagune und der Traum vom Leben im Paradies

Als Die blaue Lagune am 19. Dezember 1980 in die westdeutschen Kinos kam, traf der Film auf ein Publikum, das längst von seinen Bildern gehört hatte. Zwei junge Menschen, eine einsame tropische Insel, türkisfarbenes Wasser und eine Liebesgeschichte fernab jeder Zivilisation: Regisseur Randal Kleiser setzte ganz auf die Vorstellung eines unberührten Paradieses. Gleichzeitig sorgte der Film wegen seiner Darstellung von Sexualität und der damals erst 14-jährigen Hauptdarstellerin Brooke Shields für erhebliche Diskussionen. Gerade diese Mischung aus romantischer Fantasie, Naturbildern und Kontroverse machte Die blaue Lagune zu einem der bekanntesten Filme des Jahres 1980.

Worum geht es in Die blaue Lagune?

Die Geschichte basiert auf dem 1908 erschienenen Roman The Blue Lagoon des irischen Schriftstellers Henry De Vere Stacpoole. Emmeline und ihr Cousin Richard geraten als Kinder nach einem Schiffsunglück gemeinsam mit dem Schiffskoch Paddy auf eine abgelegene Insel. Nachdem Paddy stirbt, wachsen die beiden ohne Erwachsene und ohne die Regeln ihrer ursprünglichen Gesellschaft auf. Aus den Kindern werden Jugendliche, die lernen müssen, Nahrung zu finden, Gefahren zu erkennen und mit den körperlichen und emotionalen Veränderungen des Erwachsenwerdens umzugehen.

Brooke Shields spielt die ältere Emmeline, Christopher Atkins Richard. Regisseur Randal Kleiser hatte kurz zuvor mit Grease einen der größten Kinoerfolge der späten siebziger Jahre gedreht. Für Die blaue Lagune wählte er jedoch eine völlig andere Welt. Die Dreharbeiten begannen im Juni 1979 auf Nanuya Levu in Fidschi. Die abgeschiedene Insel wurde damit nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem wesentlichen Bestandteil des Films.

Warum war Die blaue Lagune so umstritten?

Im Mittelpunkt der Kritik stand vor allem Brooke Shields. Sie war zu Beginn der Dreharbeiten 14 Jahre alt, während der Film das Erwachsenwerden seiner Figuren ausdrücklich mit körperlicher Anziehung und Sexualität verbindet. Für Nacktaufnahmen der Figur Emmeline wurde eine erwachsene Körperdouble eingesetzt. Trotzdem blieb die Inszenierung einer minderjährigen Schauspielerin in diesem Zusammenhang umstritten und wird auch rückblickend wesentlich kritischer betrachtet als zur Zeit der Veröffentlichung.

Auch filmisch gingen die Meinungen weit auseinander. Der amerikanische Kritiker Roger Ebert verriss Die blaue Lagune im Juli 1980 und bemängelte vor allem die unrealistische Handlung und die oberflächliche Darstellung des Lebens auf einer einsamen Insel. Andere Kritiken richteten sich gegen die schauspielerischen Leistungen und das Drehbuch. Der kommerzielle Erfolg zeigte jedoch, dass diese Einwände das Publikum kaum abschreckten.

Was machte den Film trotzdem so erfolgreich?

Eine entscheidende Stärke waren die Bilder. Kameramann Néstor Almendros verwandelte die Insel in eine fast unwirklich schöne Gegenwelt zur Zivilisation. Sonnenuntergänge, Strände, tropische Pflanzen und das Meer bestimmen den visuellen Eindruck des Films wesentlich stärker als komplizierte Dialoge oder eine vielschichtige Handlung. Seine Arbeit wurde 1981 mit einer Oscar-Nominierung für die beste Kamera gewürdigt.

Christopher Atkins erhielt zudem eine Golden-Globe-Nominierung als bester männlicher Nachwuchsdarsteller. Die Reaktionen zeigen damit einen merkwürdigen Gegensatz: Die blaue Lagune wurde vielfach schlecht besprochen, fand aber ein großes Publikum und blieb dauerhaft im kulturellen Gedächtnis.

Heute wirkt der Film in mehrfacher Hinsicht wie ein Dokument seiner Zeit. Die Vorstellung vom tropischen Paradies, die romantisierte Rückkehr zur Natur und die damalige Vermarktung jugendlicher Schönheit gehören deutlich in die Popkultur um 1980. Gerade deshalb lässt sich Die blaue Lagune heute kaum nur als romantisches Abenteuer betrachten. Der Film ist zugleich ein Beispiel dafür, wie stark sich gesellschaftliche Vorstellungen darüber verändert haben, was im Kino gezeigt und wie insbesondere mit minderjährigen Darstellern umgegangen werden sollte. Geblieben sind seine außergewöhnlichen Bilder und ein Bekanntheitsgrad, den viele weit besser bewertete Filme jener Zeit nie erreicht haben.

Quellen
▪︎ American Film Institute: „AFI Catalog – The Blue Lagoon“
▪︎ Roger Ebert: „The Blue Lagoon“, 3. Juli 1980
▪︎ Academy of Motion Picture Arts and Sciences: „The 53rd Academy Awards“, 31. März 1981
▪︎ FILMSTARTS: „Die blaue Lagune“