Mitten im Kalten Krieg tauchte vor der japanischen Insel Okinawa ein sowjetisches Atom-U-Boot in schwerer Notlage auf. Auf der K-122 war ein Feuer ausgebrochen, Rauch und giftige Gase breiteten sich im Inneren aus, Besatzungsmitglieder starben. Japanische Schiffe und Flugzeuge beobachteten das beschädigte Boot, während die sowjetische Seite ausländische Hilfe weitgehend ablehnte. Der Zwischenfall vom August 1980 zeigte nicht nur die Gefahren des Dienstes auf einem Atom-U-Boot, sondern auch das Misstrauen, das militärische Zwischenfälle jener Zeit umgab.
K-122 gehörte zur sowjetischen Echo-I-Klasse und operierte im westlichen Pazifik. Rund 130 Kilometer östlich von Okinawa geriet das Boot in eine Situation, in der es seine Fahrt nicht mehr normal fortsetzen konnte. Zeitgenössische Meldungen nannten zunächst mindestens neun Tote. Spätere Darstellungen beziffern die Zahl der ums Leben gekommenen Besatzungsmitglieder auf 14.
Was geschah auf dem sowjetischen U-Boot K-122?
Das Feuer brach in einem der hinteren Bereiche des U-Bootes aus. Die genaue Rekonstruktion unterscheidet sich in späteren Darstellungen in einzelnen Details, fest steht jedoch, dass sich Rauch und giftige Gase durch das Boot ausbreiteten. Ein Teil der Opfer starb durch die Folgen der Rauch- beziehungsweise Gasvergiftung. Die Besatzung musste das beschädigte U-Boot an die Oberfläche bringen.
Dort wurde die Notlage auch für andere Schiffe sichtbar. Ein britisches Handelsschiff erreichte die K-122 und unterstützte die sowjetischen Seeleute unter anderem mit Trinkwasser und einer Funkverbindung. Japanische Behörden schickten ebenfalls Patrouillenboote und Flugzeuge in das Gebiet.
Zeitgenössische japanische Angaben berichteten, dass Verletzte und Tote auf dem Deck des U-Bootes zu erkennen gewesen seien. Zahlreiche Überlebende wurden später von einem sowjetischen Frachtschiff übernommen, während nur eine kleinere Mannschaft auf der K-122 zurückblieb.
Warum lehnte die Sowjetunion japanische Hilfe ab?
Japan bot Unterstützung an, doch die Besatzung gestattete japanischen Helfern keinen Zugang zum U-Boot. Dieses Verhalten war im Kalten Krieg keineswegs überraschend. Atom-U-Boote gehörten zu den militärisch besonders sensiblen Waffensystemen. Ihre technische Ausstattung, Bewaffnung und Einsatzweise unterlagen strengster Geheimhaltung.
Auch die Möglichkeit einer radioaktiven Belastung beschäftigte die japanischen Behörden. Flugzeuge und Schiffe nahmen Messungen vor, konnten zunächst jedoch keine ungewöhnlich erhöhte Radioaktivität feststellen. Dennoch wurden Schiffe vorsorglich vor dem Gebiet gewarnt, solange die tatsächliche Ursache und das Ausmaß des Schadens nicht bekannt waren.
Ein sowjetischer Schlepper erreichte schließlich das beschädigte U-Boot und nahm es in Schlepp. Damit lag die Bergung wieder vollständig in sowjetischer Hand.
Warum war der Unfall von K-122 so bemerkenswert?
Der Zwischenfall machte sichtbar, wie wenig die Öffentlichkeit damals über Unfälle innerhalb der sowjetischen Atom-U-Boot-Flotte erfuhr. Die ersten Informationen stammten vor allem von japanischen Behörden, westlichen Schiffen und abgefangenen Funkmeldungen. Selbst die Zahl der Opfer war zunächst unklar.
Hinzu kam die geografische Lage. Das beschädigte Atom-U-Boot befand sich vergleichsweise nahe an Japan und damit in einem Seegebiet von großer strategischer Bedeutung. Japan war auf die Schifffahrtswege durch den westlichen Pazifik angewiesen und beobachtete die wachsende sowjetische Marinepräsenz entsprechend aufmerksam.
K-122 wurde nach dem Unglück nicht wieder in den regulären Einsatz zurückgeführt. Der Unfall blieb damit nicht nur ein schwerer Verlust für die Besatzung, sondern bedeutete letztlich auch das Ende des Bootes als einsatzfähige Einheit.
Heute erinnert der Fall vor allem daran, welche Risiken sich hinter den weitgehend unsichtbaren U-Boot-Operationen des Kalten Krieges verbargen. Für die Öffentlichkeit wurde die K-122 erst in dem Moment sichtbar, als sie manövrierunfähig an der Oberfläche lag. Hinter der militärischen Geheimhaltung stand dabei eine menschliche Katastrophe: 14 Seeleute verloren ihr Leben.
Quellen
▪︎ The Washington Post: „Soviets Tow Crippled A-Sub“, 22. August 1980
▪︎ The Christian Science Monitor: Geoffrey Godsell, „Soviet naval threat to Japan oil route grows“, 22. August 1980
▪︎ United Press International: „A fire broke out inside a Soviet nuclear submarine off Okinawa“, 21. August 1980
Pingback: 21.08.1980 – Chers Black Rose, Die Seewölfe kommen, Spielbergs Duell, Cliff Richard bei Top of the Pops und der Brand auf K-122 | Heute in den 80ern