David Bowie war kaum auf eine einzige Rolle festzulegen. In den 1970er Jahren erschien er als außerirdischer Rockstar Ziggy Stardust, wenige Jahre später experimentierte er mit Soul, elektronischer Musik und den Klängen der Berliner Avantgarde. In den 1980er Jahren wurde er mit „Let’s Dance“ zum weltweiten Popstar. Hinter diesen Veränderungen stand jedoch mehr als ein ständiger Wechsel von Kostümen und Frisuren. Bowie behandelte seine eigene öffentliche Figur wie einen Teil seiner Kunst und machte Veränderung zu einem zentralen Prinzip seiner Karriere.
Geboren wurde er 1947 als David Robert Jones im Londoner Stadtteil Brixton. Schon als Jugendlicher spielte er Saxofon und bewegte sich durch verschiedene Bands der Londoner Musikszene. Den Namen David Bowie nahm er Mitte der 1960er Jahre an, um Verwechslungen mit Davy Jones von den Monkees zu vermeiden. Der erste große Erfolg kam 1969 mit „Space Oddity“. Die Geschichte des Astronauten Major Tom erschien zur Zeit der ersten bemannten Mondlandung und zeigte bereits Bowies Interesse an Science-Fiction, Identitäten und Außenseitern.
Wie wurde David Bowie mit Ziggy Stardust berühmt?
Der entscheidende Durchbruch folgte Anfang der 1970er Jahre. Mit dem Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ schuf Bowie 1972 eine Kunstfigur, die Musik und Theater miteinander verband. Ziggy Stardust war ein exzentrischer, außerirdisch wirkender Rockstar, den Bowie mit auffälligen Kostümen, Make-up und einer bewusst inszenierten Bühnenshow verkörperte.
Songs wie „Starman“ machten ihn international bekannt. Doch gerade als die Figur zu einem Markenzeichen geworden war, beendete Bowie die Ziggy-Phase wieder. Dieses Vorgehen sollte sich wiederholen: Er hielt nicht an einem erfolgreichen Image fest, sondern suchte nach einer neuen musikalischen und visuellen Sprache. Es folgten unter anderem der Soul von „Young Americans“ und die kühle Figur des Thin White Duke während der Zeit von „Station to Station“.
Warum ging David Bowie nach Berlin?
Mitte der 1970er Jahre befand sich Bowie auch persönlich in einer schwierigen Phase. Er verließ Los Angeles und lebte zeitweise in West-Berlin, wo er Abstand vom amerikanischen Starrummel suchte. Gemeinsam mit seinem langjährigen Produzenten Tony Visconti und in Zusammenarbeit mit Brian Eno entstanden „Low“, „Heroes“ und später „Lodger“, die häufig als Berliner Trilogie zusammengefasst werden.
Die Musik entfernte sich deutlich vom klassischen Rock. Elektronische Klänge, Instrumentalstücke und experimentelle Strukturen gewannen an Bedeutung. Besonders „Heroes“ wurde zu einem der bekanntesten Songs seiner Karriere. Die Berliner Jahre zeigten, dass Bowie bereit war, kommerzielle Sicherheit gegen künstlerische Erkundung einzutauschen. Zugleich beeinflussten diese Aufnahmen zahlreiche Musiker aus New Wave, Post-Punk und elektronischer Popmusik.
Wie wurde Bowie in den 80ern zum Popstar?
1983 vollzog Bowie erneut einen deutlichen Wechsel. Das von Nile Rodgers produzierte Album „Let’s Dance“ verband Rock, Funk und eingängigen Pop. Der Titelsong wurde international ein Nummer-eins-Hit, auch „China Girl“ und „Modern Love“ waren erfolgreich. Die anschließende Serious-Moonlight-Tour machte Bowie endgültig zu einem Künstler für große Arenen und Stadien.
Der enorme kommerzielle Erfolg brachte jedoch eine neue Schwierigkeit mit sich. Bowie äußerte später selbst Unzufriedenheit mit Teilen seiner Arbeit aus der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Nach den Alben „Tonight“ und „Never Let Me Down“ suchte er erneut nach anderen Wegen und gründete die Rockband Tin Machine. In den folgenden Jahrzehnten wechselte er weiter zwischen Rock, elektronischer Musik, Jazz-Einflüssen, Filmrollen und Kunstprojekten.
Sein letztes Studioalbum „Blackstar“ erschien am 8. Januar 2016, seinem 69. Geburtstag. Zwei Tage später starb Bowie nach einer Krebserkrankung. Das experimentelle Album wurde dadurch zu seinem letzten künstlerischen Statement und erhielt posthum mehrere Grammy-Auszeichnungen.
Bowie hinterließ nicht nur eine ungewöhnlich große Zahl bekannter Songs. Entscheidend war seine Vorstellung davon, dass ein Popmusiker seine Identität verändern, Rollen ausprobieren und musikalische Grenzen verschieben konnte. Von Ziggy Stardust über die Berliner Jahre bis zu „Blackstar“ blieb die Bereitschaft zur Veränderung der verlässlichste Bestandteil einer Karriere, die gerade deshalb nie auf eine einzige Epoche reduziert werden kann.
Quellen
▪︎ David Bowie: „About David Bowie“, offizielles David-Bowie-Archiv
▪︎ Recording Academy: „David Bowie, 1947–2016“
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „David Bowie“, Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame 1996
▪︎ Recording Academy: „Remembering Blackstar: Bowie’s Final Studio ‘Experiment’“
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