Duell: Wie Steven Spielberg mit einem Lastwagen Angst erzeugte

Ein Mann fährt allein durch die kalifornische Landschaft. Er überholt einen Tanklastwagen, zunächst ein völlig alltäglicher Vorgang. Doch wenig später taucht der Truck wieder hinter ihm auf. Er drängt, verfolgt und bedroht ihn, während sein Fahrer fast vollständig unsichtbar bleibt. Aus dieser einfachen Ausgangssituation entwickelte Steven Spielberg mit „Duell“ einen Film, der mit sehr wenigen Figuren und Schauplätzen fast neunzig Minuten lang Spannung erzeugt. Der 1971 entstandene Fernsehfilm wurde zu einem entscheidenden frühen Erfolg des damals erst 24-jährigen Regisseurs.

Worum geht es in „Duell“?

Im Mittelpunkt steht der Handelsvertreter David Mann, gespielt von Dennis Weaver. Auf einer Fahrt durch Kalifornien gerät er an einen alten Tanklastwagen. Nachdem Mann den langsameren Truck überholt hat, beginnt dessen Fahrer ihn scheinbar grundlos zu bedrängen. Aus aggressivem Fahrverhalten wird eine gezielte Jagd, bei der Mann zunehmend begreift, dass es für ihn nicht mehr nur darum geht, sein Ziel zu erreichen, sondern überhaupt lebend davonzukommen.

Wer den Lastwagen steuert und warum er Mann verfolgt, wird nicht erklärt. Spielberg verzichtet bewusst auf einen klar erkennbaren Gegner. Der Truck selbst übernimmt dadurch beinahe die Rolle einer Filmfigur. Besonders wirkungsvoll ist, dass die Bedrohung nicht auf einem Monster oder einem übernatürlichen Wesen beruht. Ein alltägliches Fahrzeug genügt, um aus einer gewöhnlichen Autofahrt einen Kampf ums Überleben zu machen.

Wie entstand Steven Spielbergs „Duell“?

Die Grundlage lieferte der Schriftsteller Richard Matheson. Seine Kurzgeschichte „Duel“ war 1971 im Magazin „Playboy“ erschienen und beruhte auf einem Erlebnis, bei dem Matheson selbst von einem Lastwagenfahrer bedrängt worden war. Für die Verfilmung schrieb er auch das Drehbuch. Spielberg erkannte sofort, wie stark sich die Geschichte über Bilder, Bewegung und Geräusche erzählen ließ.

Universal produzierte „Duell“ ursprünglich für das amerikanische Fernsehen. Spielberg musste unter erheblichem Zeitdruck arbeiten: Für die Dreharbeiten standen nur rund zweieinhalb Wochen zur Verfügung. Deshalb bereitete er die Einstellungen außergewöhnlich genau vor und plante die Szenen und Kamerapositionen detailliert. Dennis Weaver übernahm die zentrale Rolle, während der Lastwagenfahrer nur in kurzen Ausschnitten zu erkennen war.

Am 13. November 1971 zeigte ABC den Film erstmals im amerikanischen Fernsehen. Die Resonanz war so stark, dass „Duell“ anschließend für die Kinoauswertung außerhalb der USA verlängert wurde. Zusätzliche Szenen machten aus der ursprünglichen Fernsehfassung einen abendfüllenden Kinofilm. Damit vollzog der Film einen für eine Fernsehproduktion ungewöhnlichen Weg auf die große Leinwand.

Warum funktioniert „Duell“ bis heute?

Die Stärke des Films liegt vor allem in seiner Reduktion. Lange Passagen kommen mit wenig Dialog aus. Motorengeräusche, Reifen, Hupen, Spiegelbilder und der ständig wiederkehrende Lastwagen übernehmen einen großen Teil der Erzählung. Gleichzeitig bleibt der Grund für die Verfolgung offen. David Mann kann nicht verhandeln, weil er seinen Gegner nicht kennt und kaum eine Möglichkeit hat, dessen Verhalten vorherzusagen.

Spielberg selbst betonte später, wie wichtig Richard Mathesons bereits sehr spannungsreich konstruiertes Drehbuch für den Film gewesen sei. Die Geschichte bot ihm zugleich die Gelegenheit, jene Art visueller Spannung zu entwickeln, die wenige Jahre später in „Der weiße Hai“ erneut eine zentrale Rolle spielte: Eine Bedrohung wird gerade deshalb stärker, weil sie lange nicht vollständig sichtbar oder erklärbar ist.

„Duell“ war nicht Spielbergs allererste filmische Arbeit, aber der Film machte erstmals deutlich, welches Gespür er für Tempo, Blickführung und Spannung besaß. Aus einer denkbar einfachen Situation entstand ein Thriller, der keine komplizierte Handlung benötigte. Ein Mann, eine Straße und ein Lastwagen reichten aus. Gerade diese Einfachheit sorgt dafür, dass „Duell“ mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Entstehung noch immer erstaunlich unmittelbar wirkt.

Nachrichten
21.08.1980 – Chers Black Rose, „Die Seewölfe kommen“, Spielbergs „Duell“, Cliff Richard bei „Top of the Pops“ und der Brand auf K-122

Quellen
▪︎ British Film Institute: „10 great American TV movies of the 1970s“
▪︎ Turner Classic Movies: „Duel“
▪︎ Directors Guild of America: „Age & Innocence“
▪︎ British Film Institute: „Where to begin with Steven Spielberg“

Ein Kommentar zu „Duell: Wie Steven Spielberg mit einem Lastwagen Angst erzeugte

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