Cher: Sängerin, Schauspielerin und Meisterin der Neuerfindung

Cher gehört zu den wenigen Künstlerinnen, deren Karriere sich kaum auf ein einziges Fach reduzieren lässt. Sie wurde als Teil eines Popduos berühmt, machte sich als Solosängerin einen eigenen Namen, eroberte das Fernsehen, überzeugte schließlich auch als ernsthafte Schauspielerin und schaffte mehrmals musikalische Comebacks, als ihre Laufbahn längst abgeschrieben schien. Gerade diese Fähigkeit zur Veränderung machte Cher über Jahrzehnte zu einer außergewöhnlichen Figur der Popkultur.

Geboren wurde sie 1946 als Cherilyn Sarkisian in Kalifornien. Anfang der 1960er Jahre lernte sie Sonny Bono kennen, der damals im Umfeld des Produzenten Phil Spector arbeitete. Gemeinsam traten sie zunächst unter verschiedenen Namen auf, bevor Sonny & Cher 1965 mit „I Got You Babe“ international erfolgreich wurden. Das Bild des auffällig gekleideten Paares passte perfekt in die Popkultur der Zeit. Doch Cher entwickelte früh eine eigene Karriere und bewies, dass sie weit mehr war als die Hälfte eines Duos.

Wie wurde Cher berühmt?

In den frühen 1970er Jahren gelangen Cher mehrere große Soloerfolge, darunter „Gypsys, Tramps & Thieves“ und „Half-Breed“. Gleichzeitig wurden Sonny und Cher mit „The Sonny & Cher Comedy Hour“ zu Fernsehstars. Die Mischung aus Musik, Sketchen, prominenten Gästen und den öffentlichen Wortgefechten des Paares machte die Sendung zu einem großen Erfolg.

Nach der Trennung von Sonny Bono musste Cher ihre berufliche Rolle jedoch neu bestimmen. Ihre musikalische Karriere verlief zeitweise wechselhaft, und auch das Fernsehen bot ihr keine dauerhafte Sicherheit. Statt sich auf ihre frühere Popularität zu verlassen, wandte sie sich zunehmend der Schauspielerei zu. Dieser Schritt wurde zunächst durchaus skeptisch betrachtet, denn der Übergang vom Popstar zur ernst genommenen Filmschauspielerin gelang nur wenigen.

Warum wurde Cher auch als Schauspielerin erfolgreich?

Die 1980er Jahre veränderten Chers öffentliche Wahrnehmung entscheidend. In Mike Nichols’ Drama „Silkwood“ spielte sie 1983 neben Meryl Streep und erhielt für ihre Nebenrolle eine Oscar-Nominierung. Zwei Jahre später verkörperte sie in Peter Bogdanovichs „Mask“ die unkonventionelle Mutter eines schwer erkrankten Jugendlichen. Für diese Leistung wurde sie beim Filmfestival von Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Der endgültige Durchbruch als Filmschauspielerin folgte mit „Moonstruck“. In der romantischen Komödie spielte Cher die verwitwete Loretta Castorini, die kurz vor einer erneuten Hochzeit Gefühle für den Bruder ihres Verlobten entwickelt. Für ihre Darstellung gewann sie 1988 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Spätestens damit war die Vorstellung widerlegt, Cher sei lediglich ein Popstar, der gelegentlich Filme drehe.

Parallel kehrte sie auch musikalisch wieder stärker ins Rampenlicht zurück. Ende der 1980er Jahre entwickelte sie einen rockigeren Sound. Songs wie „If I Could Turn Back Time“ verbanden ihre tiefe, unverwechselbare Stimme mit dem damals populären Stadionrock und verschafften ihr eine weitere erfolgreiche Phase.

Was machte „Believe“ so besonders?

Ein weiteres unerwartetes Comeback gelang Cher Ende der 1990er Jahre mit „Believe“. Der Dance-Pop-Song setzte ihre Stimme auffällig verfremdet ein. Die extreme Bearbeitung mit Auto-Tune wurde zu einem entscheidenden Bestandteil des Sounds und später häufig als „Cher-Effekt“ bezeichnet.

„Believe“ wurde weltweit ein großer Erfolg und gewann bei den Grammy Awards den Preis für die beste Dance-Aufnahme. Zugleich zeigte der Song erneut ein Muster, das Chers Karriere immer wieder geprägt hatte: Sie versuchte nicht, eine frühere Erfolgsphase möglichst genau zu wiederholen, sondern passte Klang, Auftreten und musikalische Umgebung an eine neue Zeit an.

Diese Wandelbarkeit blieb ein wesentlicher Teil ihres öffentlichen Bildes. Cher bewegte sich zwischen Folk-Pop, Rock, Disco und elektronischer Tanzmusik und wurde ebenso mit extravaganten Bühnenkostümen wie mit ihrer markanten Altstimme verbunden. 2024 wurde sie schließlich in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.

Chers Bedeutung liegt deshalb nicht nur in einzelnen Hits, Filmen oder Auszeichnungen. Bemerkenswert ist vor allem die ungewöhnliche Dauer ihrer Karriere. Immer wieder gelang es ihr, nach Phasen geringerer Aufmerksamkeit mit einer neuen Rolle, einem neuen Stil oder einem überraschenden Erfolg zurückzukehren. Aus dem Popduo der 1960er Jahre wurde so eine Künstlerin, die über Generationen hinweg Teil der Unterhaltungskultur blieb.

Nachrichten
21.08.1980 – Chers Black Rose, „Die Seewölfe kommen“, Spielbergs „Duell“, Cliff Richard bei „Top of the Pops“ und der Brand auf K-122

Quellen
▪︎ Recording Academy: „Songbook: How Cher’s Perseverance And Rule-Breaking Persona Created A Career To Believe In“
▪︎ Academy of Motion Picture Arts and Sciences: „The 60th Academy Awards“
▪︎ Festival de Cannes: „Cher – Mask“
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „Cher“

Ein Kommentar zu „Cher: Sängerin, Schauspielerin und Meisterin der Neuerfindung

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