Stevie Wonder war bereits ein Star, bevor er erwachsen war. Als Kinderkünstler bei Motown bekannt geworden, entwickelte er sich in den Siebzigerjahren zu einem der wichtigsten Sänger, Songwriter und Produzenten seiner Generation. In den Achtzigerjahren musste er deshalb keinen neuen Ruhm mehr aufbauen. Stattdessen zeigte er, wie vielseitig seine Musik geworden war: von Reggae und Funk über große Popballaden bis zu politischem Engagement. Seine Karriere verband kommerziellen Erfolg mit einer ungewöhnlich starken künstlerischen Eigenständigkeit.
Wie begann Stevie Wonders außergewöhnliche Karriere?
Stevie Wonder wurde am 13. Mai 1950 in Saginaw im US-Bundesstaat Michigan geboren. Er kam zu früh zur Welt und verlor bereits als Säugling sein Augenlicht. Schon als Kind spielte er mehrere Instrumente und fiel durch sein musikalisches Talent auf. Mit elf Jahren unterschrieb er bei Motown und wurde zunächst als „Little Stevie Wonder“ vermarktet.
Der erste große Durchbruch gelang 1963 mit der Liveaufnahme „Fingertips“. Wonder war damals erst 13 Jahre alt. Anders als viele Kinderstars verschwand er jedoch nicht wieder aus der Öffentlichkeit. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zunehmend vom Interpreten zum eigenständigen Musiker und Songwriter. Anfang der Siebzigerjahre verhandelte er seinen Vertrag mit Motown neu und verschaffte sich wesentlich größere Kontrolle über Komposition, Produktion und Studioarbeit.
Alben wie „Talking Book“, „Innervisions“, „Fulfillingness’ First Finale“ und „Songs in the Key of Life“ machten ihn zu einem der prägendsten Musiker der Siebzigerjahre. Songs wie „Superstition“, „Higher Ground“ und „Sir Duke“ verbanden Soul und Funk mit elektronischen Instrumenten, anspruchsvollen Arrangements und gesellschaftlichen Themen.
Warum war „Hotter than July“ 1980 so wichtig?
Nach dem experimentellen Album „Journey Through the Secret Life of Plants“ kehrte Wonder 1980 mit „Hotter than July“ zu einem direkteren und eingängigeren Sound zurück. Das Album wurde sein erstes mit Platin ausgezeichnetes Werk und enthielt mehrere erfolgreiche Songs.
Besonders auffällig war „Master Blaster (Jammin’)“. Wonder griff darin deutlich den Reggae-Stil auf und würdigte zugleich Bob Marley, mit dem ihn auch persönlich eine musikalische Verbindung verband. Der Song verband einen entspannten Rhythmus mit Wonders charakteristischen Melodien und wurde international erfolgreich.
Noch größere gesellschaftliche Bedeutung erhielt jedoch „Happy Birthday“. Das Lied war Martin Luther King Jr. gewidmet und gehörte zu Wonders Kampagne für einen offiziellen amerikanischen Feiertag zu Ehren des ermordeten Bürgerrechtlers. Wonder unterstützte Demonstrationen und öffentliche Veranstaltungen und half dabei, das Anliegen einem breiten Publikum bekannt zu machen. 1983 unterzeichnete Präsident Ronald Reagan schließlich das Gesetz, das den dritten Montag im Januar zum Bundesfeiertag erklärte.
Wie wurde „I Just Called to Say I Love You“ zu seinem größten Pop-Hit?
In den Achtzigerjahren wandte sich Wonder teilweise stärker einem international verständlichen Popsound zu. Besonders deutlich wurde das 1984 mit „I Just Called to Say I Love You“. Der Song entstand für den Film „The Woman in Red“ und setzte auf eine bewusst einfache Melodie, elektronische Instrumente und einen Text, der ohne komplizierte Bilder auskam.
Der Erfolg war enorm. „I Just Called to Say I Love You“ erreichte in zahlreichen Ländern die Spitze der Charts und wurde einer der bekanntesten Songs seiner Karriere. Bei der Oscarverleihung am 25. März 1985 erhielt Wonder dafür den Preis für den besten Filmsong.
1985 erschien außerdem das Album „In Square Circle“ mit „Part-Time Lover“, einem weiteren großen internationalen Hit. Wonder gehörte damit weiterhin zu den wenigen Künstlern seiner Generation, die sowohl im Soul- und R&B-Bereich als auch im internationalen Popmarkt erfolgreich waren.
Was machte Stevie Wonder so einflussreich?
Wonders Bedeutung liegt nicht allein in seinen Verkaufszahlen oder Auszeichnungen. Er gehörte zu den Musikern, die das Studio selbst als Instrument verstanden. Synthesizer, Drumcomputer und elektronische Klänge setzte er bereits ein, als diese Technik im Soul noch keineswegs selbstverständlich war. Gleichzeitig blieb seine Musik stark von Gospel, Rhythm and Blues, Funk und Jazz geprägt.
Auch politisch beschränkte er sich nicht auf gelegentliche Stellungnahmen. Sein Einsatz für den Martin-Luther-King-Feiertag zeigte, dass er seine Bekanntheit gezielt für gesellschaftliche Anliegen nutzte. Ende der Achtzigerjahre wurde seine Bedeutung auch institutionell anerkannt: 1989 wurde Stevie Wonder in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Seine Achtzigerjahre unterscheiden sich deshalb deutlich von denen vieler anderer Stars. Wonder musste sich weder neu erfinden noch an ein einziges Erfolgsrezept klammern. Er konnte Reggae, Soul, Pop und politische Botschaften miteinander verbinden und dabei unverkennbar bleiben. Gerade diese Fähigkeit erklärt, weshalb seine Musik weit über die Motown-Ära hinaus Bestand hatte.
Quellen
▪︎ Motown Museum: „Stevie Wonder“
▪︎ Grammy Awards: „Stevie Wonder – Artist Profile“
▪︎ The Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute: „King National Holiday“
▪︎ Academy of Motion Picture Arts and Sciences: „The 57th Academy Awards“, 25. März 1985