Hans Rosenthal: Der Showmaster hinter „Dalli Dalli“

Wenn Hans Rosenthal bei „Dalli Dalli“ vor Begeisterung in die Luft sprang, schien für einen Augenblick alles leicht zu sein. Der kleine, energiegeladene Moderator gehörte in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu den bekanntesten Unterhaltern des deutschen Fernsehens. Sein Satz „Das war Spitze!“ und der dazugehörige Sprung wurden zu seinem Markenzeichen. Hinter dieser fröhlichen Fernsehfigur stand jedoch eine Lebensgeschichte, die in denkbar scharfem Gegensatz zur späteren Leichtigkeit seiner Shows stand: Rosenthal war Jude und hatte die nationalsozialistische Verfolgung nur im Versteck überlebt.

Wie überlebte Hans Rosenthal die NS-Zeit?

Hans Günter Rosenthal wurde am 2. April 1925 in Berlin geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war seine Familie zunehmend antisemitischer Verfolgung ausgesetzt. Sein Vater starb 1937, seine Mutter 1941. Rosenthal musste Zwangsarbeit leisten. Sein jüngerer Bruder Gert wurde 1942 deportiert und später ermordet.

Im März 1943 tauchte der damals 17-Jährige unter. In der Laubenkolonie „Dreieinigkeit“ in Berlin-Lichtenberg versteckte ihn zunächst Ida Jauch in ihrer Gartenlaube. Nach ihrem Tod halfen ihm weitere Frauen aus der Kolonie. Fast zwei Jahre lebte Rosenthal verborgen und ständig in Gefahr, entdeckt zu werden. Erst im April 1945 endete für ihn das Versteckleben.

Dass ausgerechnet dieser Mann später zu einem der fröhlichsten Entertainer der Bundesrepublik wurde, gehört zu den bemerkenswertesten Gegensätzen seiner Biografie.

Wie kam Hans Rosenthal zum Rundfunk und Fernsehen?

Nach dem Krieg begann Rosenthal beim Berliner Rundfunk. 1948 wechselte er zum Rundfunk im amerikanischen Sektor, dem RIAS. Dort entwickelte er sich vom Aufnahmeleiter und Regisseur zu einem erfolgreichen Radio-Unterhalter. Von 1962 bis 1980 leitete er die Unterhaltungsabteilung des Senders.

Rosenthal hatte ein ausgeprägtes Gespür für Quiz- und Spielideen. Er moderierte Radiosendungen wie „Wer fragt, gewinnt“ und „Allein gegen alle“, bevor er auch im Fernsehen immer größere Bekanntheit erlangte. Sein größter Erfolg begann am 13. Mai 1971 im ZDF mit „Dalli Dalli“.

Die Sendung setzte auf Tempo, Wissen und Geschicklichkeit. Prominente Kandidaten traten in Teams gegeneinander an und mussten Aufgaben häufig unter Zeitdruck lösen. Besonders gute Leistungen belohnte Rosenthal mit seinem berühmten Ausruf „Das war Spitze!“, woraufhin er in die Luft sprang. Im Fernsehbild wurde dieser Moment eingefroren, während das Publikum applaudierte.

Warum wurde „Dalli Dalli“ so erfolgreich?

Bis 1986 entstanden 153 Ausgaben von „Dalli Dalli“. Rosenthal wirkte dabei weniger wie ein distanzierter Showmaster als wie ein Gastgeber, der seine Kandidaten antrieb, ohne sie vorzuführen. Neben ihm wurden auch Mitarbeiter wie Monika Sundermann, Brigitte Xander und Ekkehard Fritsch zu vertrauten Figuren der Sendung.

Seine Popularität beruhte gerade auf dieser Mischung aus Schnelligkeit und Freundlichkeit. Rosenthal konnte hektische Spielsituationen erzeugen, ohne dass die Atmosphäre aggressiv wurde. Auch kleinere Formate wie „Rate mal mit Rosenthal“ gehörten in den Achtzigerjahren zum ZDF-Programm.

Seine Vergangenheit als Verfolgter des Nationalsozialismus spielte in seinen Unterhaltungssendungen kaum eine Rolle. Öffentlich sprach Rosenthal darüber lange nur zurückhaltend. Umso stärker wirkt rückblickend eine Sendung vom 9. November 1978, dem 40. Jahrestag der Novemberpogrome. Rosenthal musste an diesem Abend die 75. Ausgabe von „Dalli Dalli“ moderieren, obwohl der Termin für ihn persönlich eine besondere Belastung bedeutete.

Hans Rosenthal starb am 10. Februar 1987 in Berlin im Alter von 61 Jahren. Bis kurz vor seinem Tod war er eng mit dem Fernsehen und dem Rundfunk verbunden.

Sein Vermächtnis besteht deshalb aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Einerseits bleibt der enthusiastische Quizmaster mit seinem Sprung und dem Ruf „Das war Spitze!“ im kollektiven Fernsehgedächtnis. Andererseits steht Rosenthals Lebensgeschichte für die Verfolgung deutscher Juden und für einen Mann, der nach dem Holocaust bewusst in Deutschland blieb und hier zu einem der beliebtesten Unterhalter seiner Zeit wurde.

Nachrichten
03.09.1980 – Ozzy Osbourne in Blackpool, „Rate mal mit Rosenthal“ im ZDF, Jastrzębie-Abkommen in Polen, Dirch Passer gestorben

Quellen
▪︎ ZDF: „Hans Rosenthal – Zwei Leben in Deutschland“
▪︎ ZDF: „Hans Rosenthals zwei Leben“
▪︎ Gedenkstätte Stille Helden: „Biografie Hans Rosenthal“
▪︎ Munzinger Archiv: „Hans Rosenthal – deutscher Quizmaster, Regisseur und Fernsehmoderator“

2 Kommentare zu „Hans Rosenthal: Der Showmaster hinter „Dalli Dalli“

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