Talking Heads: Die nervöse Energie der Achtzigerjahre

Talking Heads waren eine jener Bands, die in keine einfache Schublade passten. Sie kamen aus der New Yorker Punk- und New-Wave-Szene, klangen aber schon bald völlig anders als viele ihrer Zeitgenossen. Funk, afrikanisch beeinflusste Rhythmen, Kunstrock, Pop und elektronische Elemente verschmolzen zu einem Stil, der gleichzeitig kühl, hektisch, tanzbar und intellektuell wirkte. Besonders in den Achtzigerjahren entwickelten sich Talking Heads von einer eigenwilligen Clubband zu einer der einflussreichsten Gruppen ihrer Generation.

Wie entstanden Talking Heads?

Die Geschichte begann Mitte der Siebzigerjahre in New York. David Byrne, Chris Frantz und Tina Weymouth kannten sich aus ihrer Studienzeit an der Rhode Island School of Design. 1975 traten sie erstmals als Talking Heads auf. Kurz darauf wurden sie Teil jener Szene rund um den Club CBGB, aus der auch Bands wie Ramones oder Television hervorgingen. 1977 stieß Jerry Harrison hinzu und vervollständigte die klassische Besetzung.

Schon die ersten Alben machten deutlich, dass Talking Heads musikalisch einen eigenen Weg suchten. Byrne sang oft in einer angespannten, beinahe nervösen Art, während Bass und Schlagzeug ungewöhnlich viel Raum erhielten. Mit Produzent Brian Eno begann die Band Ende der Siebzigerjahre noch stärker mit Rhythmus, Studioeffekten und musikalischen Strukturen zu experimentieren.

Warum gilt „Remain in Light“ als Schlüsselalbum?

1980 erschien „Remain in Light“, eines der prägendsten Alben der Band. Statt Songs nach einem klassischen Rockschema aufzubauen, arbeiteten Talking Heads und Brian Eno mit sich wiederholenden rhythmischen Mustern und übereinandergeschichteten Instrumentalspuren. Einflüsse aus Funk und afrikanischer Musik wurden zu einem dichten, komplexen Klang verbunden.

Besonders „Once in a Lifetime“ entwickelte sich zu einem der bekanntesten Stücke der Gruppe. Das dazugehörige Musikvideo mit David Byrnes eigentümlichen Bewegungen verstärkte den Eindruck einer Band, die Musik, Performance und bildende Kunst miteinander verband. Für die anschließende Tour wurde die ursprüngliche Viererbesetzung um zusätzliche Musiker erweitert, darunter Keyboarder Bernie Worrell und Gitarrist Adrian Belew.

Damit veränderte sich auch der Bühnenklang grundlegend. Aus den eher reduzierten frühen Talking Heads wurde zeitweise ein großes Funk-Ensemble, dessen Konzerte von Rhythmus und Bewegung geprägt waren.

Wie wurde „Burning Down the House“ zum größten Hit?

Nach mehreren Nebenprojekten kehrten Talking Heads 1983 mit „Speaking in Tongues“ zurück. Das Album enthielt „Burning Down the House“, den kommerziell erfolgreichsten Song ihrer Karriere in den USA. Gleichzeitig begann eine Tournee, die später nahezu legendären Status erhielt.

Regisseur Jonathan Demme filmte im Dezember 1983 mehrere Konzerte im Pantages Theatre in Los Angeles. Daraus entstand „Stop Making Sense“, der 1984 veröffentlicht wurde. Der Film beginnt auffallend schlicht: David Byrne betritt allein mit einer Gitarre und einem Kassettenrekorder die Bühne. Stück für Stück kommen weitere Musiker hinzu, bis am Ende eine vollständige Band auf der Bühne steht.

Besonders berühmt wurde Byrnes übergroßer heller Anzug, der zu einem der markantesten Bilder der Popkultur der Achtzigerjahre wurde. Doch „Stop Making Sense“ wirkte nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Optik. Demme verzichtete weitgehend auf typische Konzertfilm-Effekte und konzentrierte sich auf Musiker, Bewegungen und den allmählichen Aufbau der Show. Der Film gilt bis heute als Meilenstein des Konzertfilms.

Talking Heads gingen danach nicht mehr regulär auf Tour, veröffentlichten aber weitere Alben. 1985 erschien „Little Creatures“, ein Jahr später „True Stories“, das mit David Byrnes gleichnamigem Spielfilm verbunden war. 1988 folgte mit „Naked“ das letzte Studioalbum der Band. 1991 wurde die Auflösung öffentlich bekannt.

Ihr Einfluss blieb jedoch bestehen. Talking Heads zeigten, dass anspruchsvolle, experimentelle Musik gleichzeitig tanzbar und erfolgreich sein konnte. Ihre Verbindung aus Kunst, Rhythmus und Pop prägt zahlreiche spätere Alternative-, Indie- und New-Wave-Bands. Gerade die Achtzigerjahre machten aus den eigenwilligen Musikern aus der New Yorker Clubszene eine Band, deren Ideen weit über ihre eigene Zeit hinausreichten.

Nachrichten
27.08.1980 – Talking Heads in New York, „The Fog“ in deutschen Kinos, „Onkel Bräsig“ im ARD-Fernsehen, Chun Doo-hwan in Südkorea, Douglas Kenney auf Kauai

Quellen
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „Talking Heads“
▪︎ Rolling Stone: „Flashback: Talking Heads Play a Scorching ‘Crosseyed and Painless’ in 1980“
▪︎ Rolling Stone: „Talking Heads to Appear Together for First Time in 21 Years“
▪︎ The Criterion Collection: „True Stories: Everybody Has Tones“