The Cure: Zwischen Melancholie, Pop und dunkler Romantik

Kaum eine Band der Achtzigerjahre verband Schwermut und eingängige Popmusik so selbstverständlich wie The Cure. Ihre Lieder konnten bedrückend, verträumt und beinahe klaustrophobisch wirken, wenig später aber leichtfüßig und erstaunlich radiotauglich klingen. Im Mittelpunkt stand Robert Smith, dessen Stimme, verwischter Lippenstift und wild abstehendes schwarzes Haar zu einem der unverwechselbarsten Erscheinungsbilder der britischen Popkultur wurden. Doch hinter diesem Bild steckte eine Band, die sich musikalisch nie auf eine einzige Richtung festlegen ließ.

Wie entstanden The Cure?

Die Geschichte begann 1976 im südenglischen Crawley. Robert Smith gründete mit Schulfreunden zunächst die Gruppe Easy Cure. 1978 wurde daraus The Cure, wenig später erhielt die Band einen Vertrag beim Label Fiction Records. Das Debütalbum „Three Imaginary Boys“ erschien 1979 und zeigte noch deutlich die kantigen Einflüsse des Post-Punk.

Mit „Seventeen Seconds“ veränderte sich der Klang 1980 grundlegend. Die Musik wurde sparsamer und atmosphärischer, Gitarren und Bass schufen weite, düstere Räume. Die Single „A Forest“ entwickelte sich zu einem frühen Schlüsselstück der Band. Auf „Faith“ von 1981 und besonders auf „Pornography“ von 1982 trieb The Cure diese Entwicklung weiter. Die Texte und Arrangements wirkten zunehmend bedrückend, und die Gruppe wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt für jene dunkle Spielart des Post-Punk, aus der sich die Gothic-Szene entwickelte.

Warum klingt The Cure nicht nur düster?

Gerade als die Band auf ein festgelegtes Image reduziert zu werden drohte, änderte Smith die Richtung. Mit Singles wie „Let’s Go to Bed“, „The Walk“ und „The Lovecats“ zeigte The Cure ab 1982 eine verspielte und teilweise ausgesprochen poppige Seite. Die Zusammenarbeit mit Videoregisseur Tim Pope verstärkte diesen Wandel auch optisch. Bunte, absurde Musikvideos standen plötzlich neben einer Band, die zuvor fast ausschließlich mit Dunkelheit und Melancholie verbunden worden war.

Diese Gegensätze wurden zu einem wesentlichen Teil ihres Erfolges. Das Album „The Head on the Door“ brachte 1985 mit „In Between Days“ und „Close to Me“ einige der zugänglichsten Stücke der Gruppe hervor. Zwei Jahre später demonstrierte das Doppelalbum „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ eine enorme stilistische Bandbreite. The Cure konnten düsteren Gitarrenrock, psychedelische Klangflächen und beinahe klassischen Pop spielen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren.

War „Disintegration“ der Höhepunkt von The Cure?

1989 erschien „Disintegration“, das bis heute zu den bedeutendsten Alben der Band zählt. Robert Smith wollte nach den zunehmend erfolgreichen Popstücken wieder ein ernsthafteres und geschlossenes Werk aufnehmen. Das Ergebnis verband ausgedehnte, melancholische Klanglandschaften mit erstaunlich erfolgreichen Songs wie „Lullaby“, „Lovesong“ und „Pictures of You“.

Die Plattenfirma soll das düstere Album zunächst für kommerziell riskant gehalten haben. Tatsächlich entwickelte es sich jedoch zu einem der größten Erfolge von The Cure und verkaufte sich millionenfach. Damit erreichte eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, die zehn Jahre zuvor mit den kargen Klängen von „Seventeen Seconds“ begonnen hatte.

The Cure waren am Ende der Achtziger längst keine Randerscheinung mehr. Die Band hatte ihren eigenen Weg in den internationalen Pop gefunden, ohne die Melancholie aufzugeben, die ihre Musik geprägt hatte. Gerade diese Verbindung machte sie außergewöhnlich. Robert Smith und seine wechselnden Mitmusiker bewiesen, dass traurige Musik eingängig, große Popmusik eigenwillig und ein scheinbar festgelegtes Image erstaunlich vielseitig sein konnte. Ihr Einfluss reicht deshalb weit über die Gothic-Szene hinaus und ist bis heute in Alternative Rock, Indie und Pop zu hören.

Quellen
▪︎ The Guardian: „The Cure’s Robert Smith: ‚I was very optimistic when I was young – now I’m the opposite’“, 7. Juni 2018
▪︎ The Guardian: „The Cure: Disintegration 30th anniversary shows to debut at Sydney Opera House“, 19. Februar 2019
▪︎ The Guardian: „The Cure: Disintegration review – album set flatters to deceive, and then prolongs the pain“, 25. Mai 2019

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