Es braucht oft nur wenige Sekunden, um AC/DC zu erkennen. Ein trockenes Gitarrenriff, ein geradliniger Rhythmus und eine Stimme, die eher schreit als singt. Seit den 1970er Jahren hat die australische Band dieses Prinzip kaum verändert. Gerade darin liegt ein Teil ihres Erfolgs. Während sich zahlreiche Rockgruppen immer wieder neu erfanden, blieb AC/DC ihrem eigenen Klang erstaunlich treu und wurde damit zu einer der bekanntesten Hardrockbands der Welt.
Wie entstand AC/DC?
Gegründet wurde AC/DC 1973 in Sydney von den Brüdern Malcolm und Angus Young. Beide waren in Glasgow geboren worden und mit ihrer Familie nach Australien ausgewandert. Malcolm übernahm die Rhythmusgitarre, Angus die Leadgitarre. Der Bandname geht auf die Abkürzung für Wechselstrom und Gleichstrom zurück und passte hervorragend zu einer Gruppe, deren Musik von Anfang an auf Energie und unmittelbare Wirkung setzte.
Angus Young entwickelte früh die Bühnenfigur, die später zum Markenzeichen der Band wurde: kurze Hose, Jackett, Krawatte und Schülermütze. Entscheidend für die musikalische Entwicklung war jedoch auch Malcolm Young. Seine präzise Rhythmusgitarre gab den Stücken jene Härte und Klarheit, auf der Angus seine Soli aufbauen konnte. Der Sound blieb bewusst einfach: zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang.
Warum war Bon Scott für AC/DC so wichtig?
1974 stieß Bon Scott als Sänger zur Band. Mit seiner rauen Stimme, seinem Humor und seiner Bühnenpräsenz prägte er die erste große Phase von AC/DC. Gemeinsam mit Angus und Malcolm Young entstanden Stücke wie „T.N.T.“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „Let There Be Rock“ und „Whole Lotta Rosie“.
Der internationale Durchbruch gelang schließlich mit „Highway to Hell“. Das 1979 veröffentlichte Album machte AC/DC weit über Australien hinaus bekannt. Doch nur wenige Monate später starb Bon Scott im Februar 1980 in London nach starkem Alkoholkonsum. Für die Band stellte sich plötzlich die Frage, ob sie überhaupt weitermachen sollte.
Statt sich aufzulösen, suchten die Musiker einen neuen Sänger und fanden ihn in Brian Johnson, der zuvor bei der britischen Band Geordie gesungen hatte. Damit begann eine zweite Phase, die AC/DC noch erfolgreicher machen sollte.
Warum wurde Back in Black so erfolgreich?
Nur wenige Monate nach Scotts Tod erschien „Back in Black“. Das Album war das erste mit Brian Johnson und wurde teilweise als Erinnerung an Bon Scott verstanden. Schon das vollständig schwarze Cover machte deutlich, dass die Platte unter besonderen Umständen entstanden war.
Musikalisch blieb AC/DC jedoch bei dem Stil, den die Band zuvor entwickelt hatte. „Hells Bells“, „You Shook Me All Night Long“ und der Titelsong „Back in Black“ verbanden harte, klar erkennbare Gitarrenriffs mit eingängigen Refrains. Das Album entwickelte sich zu einem der meistverkauften Rockalben überhaupt und machte die neue Besetzung weltweit zu einer Stadionband.
Auch „For Those About to Rock We Salute You“ setzte diesen Erfolg fort. AC/DC gehörten damit endgültig zu den wichtigsten internationalen Rockgruppen der frühen 1980er Jahre.
Was macht den Sound von AC/DC besonders?
Die Musik von AC/DC wirkt auf den ersten Blick einfach. Gerade diese Einfachheit ist jedoch sehr präzise konstruiert. Malcolm Young spielte selten komplizierte Akkordfolgen, setzte Rhythmus und Pausen aber so genau, dass die Stücke sofort wiedererkennbar wurden. Angus Young ergänzte diese Grundlage mit bluesbeeinflussten Soli und seiner äußerst beweglichen Bühnenperformance.
Die Band selbst hat ihre Musik nie besonders gern als Heavy Metal bezeichnet und verstand sich vor allem als Rock-’n’-Roll-Gruppe. Einflüsse von Chuck Berry und frühem Bluesrock sind deutlich hörbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Hardrockbands verzichtete AC/DC weitgehend auf Synthesizer, große Studioproduktionen oder komplizierte Arrangements.
Gerade diese Konsequenz wurde zum Erfolgsrezept. AC/DC mussten ihren Stil nicht ständig verändern, weil sie einen eigenen gefunden hatten. Der Tod von Bon Scott, spätere Umbesetzungen und sogar der krankheitsbedingte Rückzug von Malcolm Young konnten diese musikalische Identität nicht zerstören. 2003 wurde die Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Dass ihre Stücke Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch immer sofort erkennbar sind, erklärt vielleicht besser als jede Verkaufszahl, warum AC/DC einen festen Platz in der Rockgeschichte besitzen.
Quellen
▪︎ Rock & Roll Hall of Fame: „AC/DC“, Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, 2003
▪︎ National Portrait Gallery of Australia: „Angus Young“, aktualisiert 2019
▪︎ National Portrait Gallery of Australia: „Bon Scott“, aktualisiert 2023
▪︎ Westdeutscher Rundfunk: „31. Dezember 1973 – Australische Hardrockband AC/DC tritt erstmals öffentlich auf“, 31. Dezember 2018
Pingback: 19.08.1980 – AC/DC veröffentlichen You Shook Me All Night Long, Serge-Lama-Show im Bayerischen Fernsehen, Flugkatastrophe von Riad, Zugunglück bei Otłoczyn, Otto Frank stirbt | Heute in den 80ern