Als Saudia-Flug 163 am 19. August 1980 in Riad wieder aufsetzte, war die schwierigste Phase scheinbar überstanden. Die Lockheed L-1011 TriStar war kurz zuvor auf dem Weg nach Dschidda gewesen, als die Besatzung vor Rauch im hinteren Frachtraum gewarnt wurde. Das Flugzeug kehrte um und landete sicher. Trotzdem überlebte keiner der 301 Menschen an Bord. Gerade dieser Widerspruch machte das Unglück zu einem der außergewöhnlichsten und folgenreichsten Brandunfälle der zivilen Luftfahrt.
Was geschah auf Saudia-Flug 163?
Der Flug hatte ursprünglich in Karachi begonnen und war über Riad nach Dschidda unterwegs. Nach einem planmäßigen Zwischenstopp startete die Maschine am Abend erneut. Etwa sieben Minuten später meldete das Warnsystem Rauch im hinteren Frachtraum C-3. Kurz darauf bestätigte sich, dass sich Feuer und Rauch bereits in Richtung Passagierkabine ausbreiteten.
Die Besatzung entschied sich zur Rückkehr nach Riad. Währenddessen versuchten Flugbegleiter mit Handfeuerlöschern gegen den Brand vorzugehen. Das Feuer entwickelte jedoch eine solche Hitze, dass es den Kabinenboden im hinteren Teil des Flugzeugs beschädigte. Passagiere wichen nach vorn aus, während die Piloten die Maschine zum Flughafen zurückführten.
Etwa 20 Minuten nach der ersten Warnung landete die TriStar wieder in Riad. Doch anstatt unmittelbar auf der Landebahn anzuhalten und eine Evakuierung einzuleiten, rollte die Maschine von der Piste auf einen Rollweg. Dort verging weitere Zeit, bevor die Triebwerke abgeschaltet wurden. Eine Evakuierung wurde nicht eingeleitet.
Warum konnte niemand das Flugzeug verlassen?
Als Rettungskräfte die Maschine schließlich von außen öffnen konnten, war es zu spät. Rauch und Brandgase hatten die Menschen im Inneren bereits handlungsunfähig gemacht. Alle 287 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Die Untersuchung richtete deshalb große Aufmerksamkeit nicht nur auf die Entstehung des Feuers, sondern auf die Ereignisse nach der Landung. Der offizielle Bericht kam zu dem Ergebnis, dass der Brand im Frachtraum C-3 entstanden war. Was ihn ausgelöst hatte, ließ sich jedoch nicht zweifelsfrei feststellen.
Als entscheidende Faktoren für das tödliche Ausmaß nannte die Untersuchung unter anderem die fehlende Vorbereitung der Kabinenbesatzung auf eine sofortige Evakuierung, den Verzicht auf einen möglichst schnellen Stopp nach der Landung und Defizite beim Umgang der Cockpitbesatzung mit der Notsituation. Hinzu kamen Probleme bei Ausrüstung und Ausbildung der Flughafenfeuerwehr.
Welche Rolle spielte der Frachtraum?
Der Frachtraum, in dem der Brand entstand, gehörte zu einer damals zugelassenen Bauart, bei der ein Feuer im Wesentlichen dadurch begrenzt werden sollte, dass der Raum weitgehend geschlossen war. Eine fest installierte Feuerlöschanlage war dort nicht vorgeschrieben. Beim Unglück von Riad erwies sich dieses Konzept als unzureichend.
Der Brand konnte sich so weit entwickeln, dass er schließlich den darüberliegenden Kabinenbereich erreichte. Nach dem Unfall wurden deshalb auch die Sicherheitsanforderungen solcher Frachträume grundsätzlich hinterfragt. US-amerikanische Luftfahrtbehörden empfahlen unter anderem, die damalige Klassifizierung großer Frachträume erneut zu überprüfen und den Brandschutz zu verbessern.
Warum ist Saudia-Flug 163 bis heute bemerkenswert?
Viele Flugzeugkatastrophen sind durch einen Absturz geprägt. Bei Saudia-Flug 163 lag die Besonderheit gerade darin, dass das Flugzeug den Flughafen wieder erreichte und aus eigener Kraft landete. Die Maschine stand anschließend auf dem Boden, doch die Menschen im Inneren konnten nicht gerettet werden.
Das Unglück zeigte damit besonders drastisch, dass eine sichere Landung bei einem Brand nur ein Teil einer erfolgreichen Notfallbewältigung ist. Entscheidend sind auch die Minuten danach: das sofortige Anhalten, klare Entscheidungen im Cockpit, eine vorbereitete Kabinenbesatzung und eine ohne Verzögerung beginnende Evakuierung. Die 301 Todesopfer von Riad machten deutlich, wie eng technische Sicherheit, menschliche Entscheidungen und funktionierende Rettungsabläufe miteinander verbunden sind.
Quellen
▪︎ Presidency of Civil Aviation, Saudi Arabia: „Aircraft Accident Report, Saudi Arabian Airlines Lockheed L-1011, HZ-AHK, Riyadh, Saudi Arabia, August 19th, 1980“, 16. Januar 1982
▪︎ International Civil Aviation Organization: „Aircraft Accident Digest No. 27“, Circular 178-AN/111, 1980
▪︎ Federal Aviation Administration: „Saudi Arabian Airlines Flight 163, HZ-AHK“