The Fog: John Carpenters Geistergeschichte aus dem Nebel

Nach dem gewaltigen Erfolg von „Halloween“ hätte John Carpenter den eingeschlagenen Weg einfach fortsetzen können. Stattdessen drehte er einen Horrorfilm, der weniger auf einen einzelnen Täter als auf Atmosphäre, Vergangenheit und eine Bedrohung setzte, die buchstäblich aus dem Nichts auftaucht. „The Fog“ kam 1980 in die amerikanischen Kinos und erzählte eine klassische Geistergeschichte mit moderner Filmsprache. Der Nebel selbst wurde dabei zum eigentlichen Star.

Worum geht es in The Fog?

Schauplatz ist die fiktive kalifornische Küstenstadt Antonio Bay, die ihren hundertsten Geburtstag vorbereitet. Kurz vor den Feierlichkeiten stößt ein Priester auf Aufzeichnungen, die ein düsteres Geheimnis der Stadtgründung offenbaren. Ein Jahrhundert zuvor war ein Schiff namens Elizabeth Dane absichtlich auf ein Riff gelockt worden. Die Männer an Bord starben, während einige Einwohner von Antonio Bay von dem Unglück profitierten.

Nun zieht ein ungewöhnlicher, leuchtender Nebel vom Meer heran. Mit ihm kehren die Toten zurück. Während die Bewohner zunächst nicht verstehen, was geschieht, wird nach und nach deutlich, dass die Vergangenheit ihre Schuld einfordert.

Carpenter und seine Mitautorin und Produzentin Debra Hill machten daraus keine hektische Abfolge von Schreckmomenten. Der Film lebt vor allem von seiner Küstenlandschaft, dunklen Straßen, Leuchttürmen, Radiodurchsagen und dem langsam näher rückenden Nebel. Die Radiomoderatorin Stevie Wayne, gespielt von Adrienne Barbeau, beobachtet das Geschehen von einem Leuchtturm aus und wird zu einer wichtigen Verbindung zwischen den voneinander getrennten Figuren.

Wie entstand der berühmte Nebel?

Carpenter entwickelte die Grundidee während einer Reise nach England. Eine neblige Landschaft brachte ihn auf den Gedanken, einen Horrorfilm zu drehen, in dem nicht ein Monster oder Mörder im Mittelpunkt steht, sondern der Nebel selbst zur Bedrohung wird. Gedreht wurde im Frühjahr 1979 unter anderem in Marin County und an der kalifornischen Küste. Point Reyes mit seinem markanten Leuchtturm prägte das Erscheinungsbild von Antonio Bay entscheidend.

Die Herstellung erwies sich schwieriger als erwartet. Nachdem Carpenter eine erste Schnittfassung gesehen hatte, war er mit dem Ergebnis unzufrieden. Teile des Films wurden neu gedreht oder ergänzt. Dazu gehörten zusätzliche Spannungs- und Horrorszenen sowie erzählerische Passagen, die die Geistergeschichte verständlicher machten. Auch die Musik und die Tonbearbeitung wurden noch einmal verändert. Der künstliche Nebel entstand mit speziellen Maschinen, Trockeneis und weiteren Effekten.

Warum wurde The Fog zum Klassiker?

Bei seinem Kinostart am 1. Februar 1980 waren die Reaktionen keineswegs einhellig. Kritiker lobten vielfach Kameraarbeit, Atmosphäre, Musik und Inszenierung, bemängelten aber die verzweigte Handlung. Roger Ebert würdigte Carpenters Regietalent, hielt die Geschichte und insbesondere die Funktion des Nebels jedoch für weniger überzeugend als den direkten Schrecken von „Halloween“.

Kommerziell funktionierte der Film trotzdem. In Nordamerika spielte „The Fog“ mehr als 21 Millionen Dollar ein und bestätigte damit, dass Carpenter nach „Halloween“ kein einmaliger Überraschungserfolg geblieben war.

Entscheidender für den späteren Ruf ist jedoch seine besondere Stimmung. Carpenter zeigt nur so viel von den zurückkehrenden Seeleuten, wie für die Bedrohung notwendig ist. Dunkelheit, Musik, Licht und Nebel übernehmen einen großen Teil der erzählerischen Arbeit. Dadurch wirkt der Film eher wie eine alte Lagerfeuergeschichte als wie ein typischer Slasherfilm seiner Zeit.

Gerade darin liegt seine anhaltende Wirkung. „The Fog“ verbindet klassischen Geisterhorror mit dem amerikanischen Genrekino der frühen Achtziger und zeigt, wie wirkungsvoll einfache Mittel sein können, wenn Atmosphäre wichtiger ist als spektakuläre Effekte. Der Nebel von Antonio Bay braucht keine komplizierte Erklärung. Es genügt, dass er langsam näherkommt.

Quellen
▪︎ American Film Institute: „The Fog“, AFI Catalog of Feature Films, ohne Datumsangabe
▪︎ James Stevenson: „People Start Running“, The New Yorker, 21. Januar 1980
▪︎ Roger Ebert: „The Fog“, Chicago Sun-Times, 5. Februar 1980

Ein Kommentar zu „The Fog: John Carpenters Geistergeschichte aus dem Nebel

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